Wappenelement Panther

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Laie
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Wappenelement Panther

Beitrag von Laie » 23.11.2006, 12:49

Hallo Kollegen,

muss es in einer Wappenbeschreibung heißen „schwarzer Panther“ oder nur „Panther“ weil der sowieso immer schwarz ist?

Es geht um das Wappen der erloschenen v. Zuhm zu Üselitz (Rügen/Pommern). Das Wappen zeigt im Schild einen nach rechts aufsteigenden (schwarzen) Panther.

Es geht mir eigentlich nur um die korrekte Wappenbeschreibung, das Wappen selbst liegt mir in guter Abbildung vor.

Beste Grüße
Laie

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M. Waas
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Beitrag von M. Waas » 23.11.2006, 12:58

Wenn es ein heraldischer Panther ist, dann muß die Tinktur blasoniert werden. Wenn es ein natürlicher ist, dann nicht.

Laie
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Beitrag von Laie » 23.11.2006, 13:12

Es ist ein heraldischer Panther.
Damit ist alles klar.
herzlichen Dank
Laie

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 23.11.2006, 14:32

Die ältesten Siegel der wendischen Herren SVM VAN WITTOWE, GUZLAF SVM, JUNGHE SVM, TZELMER SUMOVITZ sowie RAZLAF VNDE JOHAN SVMOVITZ, die sich am sogenannten Bundesbrief des rügischen Adels vom 5. Januar 1316 befinden, zeigen ein - nicht näher zu bestimmendes - aufgerichtetes Tier, das man später als einen „Panther“ bezeichnet hat. Mit demselben Tier besiegeln denselben Bundesbrief die Herren Krake(vitz), de Lanca (hier das 'Tier' über 3 Sternen), Slawekin, Nubin und Cosen (bei diesen das 'Tier' mit einem Fischschwanz).

In späterer Zeit erscheint dieses aufgerichtete Tier - nunmehr feuerspeiend – als „Panther“ im Wappen der rügischen Familien Sum de Wittow bzw. Sum de Jasmund (hier ein schwarzer Panther in Gold) und Krakevitz (hier ein roter Panther in Silber). Im Wappen der – ebenfalls von der Halbinsel Wittow stammenden - Familie de Lanca (= v. der Lancken) hingegen wandelt sich das 'Tier' zu einem roten Löwen im silbernen Feld (über den 3 Sternen).

Freundliche Grüße vom Rhein

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Beitrag von Laie » 23.11.2006, 15:05

Gar nicht schlecht ;-)
oder beabsichtigt höflicher geschrieben:
herzlichen Dank für die bereichernden Ausführungen!

Sicher gibt es dazu eine Quelle?

Wie lautet diese?

Steht dort noch mehr zur Familie?

Noch ergänzen lässt sich, das die v. Zuhm zu Mahlow (Jasmund) später einem schwarzen Rappen anstelle des vormaligeren Tieres/Panthers im Wappen führen. Auch diese sind jedoch erloschen, nachdem sie noch in Dänemark als Suhm eine Weile blühten. Als letzte Ihrer Familie heiratet Petra Friderica Christine Suhm einen Morten Willemoes. Dieser übernimmt den Namen der Frau und das Suhm'sche Wappen. Am 21. Nov. 1821 erhält er dafür das Adelspatent Willemoes-Suhm, auch diese Familie Willemoes-Suhm erlischt dann 1947.

Beste Grüße
Laie

Joachim v. Roy
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Die wendische Adelsfamilie S u m im ehem. Fürstentum Rügen

Beitrag von Joachim v. Roy » 23.11.2006, 15:52

Anmerkung

Meine vorstehenden Angaben basieren auf rügischen Urkundenbüchern, eigenen Veröffentlichungen, verschiedenen Adelshandbüchern und der bekannten Lubin'schen Karte der Insel Rügen vom Jahre 1630. Sie sind sämtlich im Druck erschienen und können in jeder Universitäts- und Landesbibliothek eingesehen werden.

MfG

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Beitrag von Laie » 16.01.2011, 21:49

Guten Abend!
mit einigem Abstand möchte ich erneut auf die Fragen rund um das Zuhm-Wappen zurückkommen.

Vorab sei ergänzt, dass sich der obige Panther auf der Linie Marlow-Trockendorf zu einem Pferd wandelt.

Weswegen ich jedoch in den Faden zurückehre, sind viel mehr die schwedischen Somme (Some, Summe) und die polnischen Szumski.

Die letzteren gehörten zwar unstrittig dem Wappenverband Jastrzębiec an, einige Probanden sollen jedoch ebenfalls ein Pferd im Schilde geführt haben.

Bei den schwedischen Some, weiß ich kein Wappen, der letzte diese Geschlechts Krister Some († 1611) war jedoch mit einer v. Massenbach, vermählt, vll. lässt sich auf diesem Wege ein Wappen ermitteln.

vergl.: http://sv.wikipedia.org/wiki/Some

Beide Familien werden in älterer Literatur als "Ableger" der Rügischen Zuhm gehandelt, was ich zumindest nicht unkritisch übernehmen möchte, ehrlich gesagt bezweifle.

Auszuschließen ist es von vorherrein freilich nicht, vll. lässt es sich aber erhellen?

Beste Grüße
Laie

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laneryd
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Beitrag von laneryd » 16.01.2011, 23:10

Laie hat geschrieben:
Bei den schwedischen Some, weiß ich kein Wappen,
The coat of arms of Somme was a red bulls-head caboshed with yellow horns on a blue field.
On the helmet two horns, one red and yellow, the other blue and yellow.
According to Peringsköld and published in: Jan Raneke, SVENSKA MEDELTIDSVAPEN, 2001.

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Beitrag von Laie » 17.01.2011, 09:06

Oh, thank you.

These is a lot of different to the coat of arms by the Zuhm families.

A historical report means Erich v. Zuhm, a captain-major in the Nederland, but from the rugian family Zuhm, had the same coat of Arms like Krister Some († 1611). Both noble mans was meeting together in Lübeck in 1611 and talked about.

Regards
Laie

Gast

Re: Wappenelement Panther

Beitrag von Gast » 17.01.2011, 09:35

Laie hat geschrieben:muss es in einer Wappenbeschreibung heißen „schwarzer Panther“ oder nur „Panther“ weil der sowieso immer schwarz ist?
Zu der Ursprungsfrage: immer schwarz:
nun ein wenig Statistik aus 385.000 Wappen (ohne England)
Der Panther ist:
nat. 39
# 14
r. 13
s. 22
g. 24
b. 5
gr. 1
wechs Farb. 7
ohne Farbe 20

also von insges. 145 sind schwarz 53(39+14), wobei allerdings von jenen ohne Farbe noch mancher schwarz sein dürfte.

In England sind von 7 Panthern 2 nat.= # (unter 66.000 Wappen)

Insgesamt ist bei frühen Wappen der Panther nicht immer klar vom Leopard u.a. zu unterscheiden.

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 17.01.2011, 09:54

Anmerkung

Die Angabe, daß das polnische Adelsgeschlecht SZUMSKI "unstrittig" dem Wappenverband J a s t r z ę b i e c angehörte, läßt die Tatsache außer acht, daß es im Königreich Polen eine weitere Adelsfamilie namens SZUMSKI gab, welche das Stammwappen P o r o n i a führte, vgl. http://pl.wikipedia.org/wiki/Poronia_%2 ... achecki%29 .

Wer immer will, mag die beiden polnischen Adelsfamilien SZUMSKI auf das alt-rügische (wendische) Geschlecht v. ZUHM (SUM de WITTOW, SUM de Jasmund) zurückführen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

MfG

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Beitrag von Laie » 17.01.2011, 10:31

Werter Herr v. Roy,
ich bin sehr froh, dass Sie sich als Kenner der Materie erneut in diesem Faden einlassen.

Da es mehrere Orte Szumska gab im historischen Polen, habe ich bereits an anderer Stelle den Verdacht geäußert, es könnte auch mehrere Familien Szumski geben, jedenfalls ist wohl eher Naheliegend, diese leiten sich von dem jeweiligen Ort her, als von den Rügischen nobiles Zuhm.

Ihr zweiter Absatz bestärkt mich sehr in dieser Annahme.

Zudem bietet das herb P o r o n i a noch weniger Raum für ein Pferd als das herb J a s t r z ę b i e c, welches ja wenigstens ein Hufeisen als Element beinhaltet.

Die Quelle für das Konstrukt Zuhm - Szumski bzw. Zuhm - Some ist:

Olaus Heinrich Moller: Historische und Genealogische Nachricht von dem uralten adelichen Geschlecht derer von Zaum oder Suhm (...). Flensburg (...), 1775. Hierzu habe ich aber bereits auf der Wikipedia vermerkt: “U.a. die ältere Stammreihe darin hält weder historischen Tatsächlichkeiten noch heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen stand.“

Um einen dargestellten Sachverhalt nachvollziehbar zu verwerfen, bedarf es mE Gewissheit und nicht einer mitunter im Nachgang durchaus zutreffenden "Gefühlslage" oder "Ahnung"

Bei den Some ist die Lage scheinbar etwas fundierter. So tauchen diese um 1400 in Schweden auf. Moller postulierte hier, dass sich ein Zuhm nach Schweden begeben musste nachdem er einen Stralsunder Ratherrn erschlagen hatte. Der Mord als solcher ist wohl unstrittig: Thorkel Zuhm rächt 1409 seinen Vater Starke Zuhm und ersticht den Stralsunder Bgm. Wulf Wulflam in Bergen. Es hätte also (zeitlich noch passend) Raum für eine solche Abstammung gegeben. Zumal Moller weiterhin ein Selbstbekenntnis von Erich v. Zuhm a.d.H. Üselitz wiedergibt, der behauptet Krister Some in Lübeck vor dessen Kassierung und Beseitigung durch die Schweden getroffen zu haben. Some habe Zuhm sein Wappen gezeigt und es sei mit seinem identisch gewesen.

Nach der Wappenbeschreibung welche laneryd dankenswerter Weise oben beigesteuert hat, scheit auch dieser Sachverhalt mehr als fraglich. Wobei vielleicht eine Löwe einem Panther auch mal ähnlich seien konnte?

Beide Zusammenhänge scheinen mir nicht final ausgeräumt, jedoch von der Indizienlage mit deutlicher Tendenz dorthin.

Beste Grüße
Laie

Gast

Beitrag von Gast » 17.01.2011, 12:41

Obwohl auch ich glaube, daß diese "schöen" Abstammungen frei erfunden sind, so möchte ich doch darauf hinweisen, daß es schwedische Tradition ist, Neuadligen, bzw. eingewandertern und in den schwedischen Adel eingegliederten Familien nicht nur einen neuen oder veränderten Namen zu geben sondern das selbe auch mit deren Wappen zu machen. Es gibt dabei allerdings Ausnahmen.

Wie schon gesagt, bei den Somme halte ich das für extrem unwahrscheinlich - to say the least.

Gast

Beitrag von Gast » 17.01.2011, 13:24

Hallo L.

Im Wappenbuch des Tadeusz Gajl http://herbyszlachty.pl/herby_nazwiska. ... rb=poronia
sind neben den Szumski mit Herb Jastrzębiec sogar noch 2 weitere Wappen, das Herb Poronia und das Herb Oksza/Topor zu dem Namen Szumski aufgeführt.
http://herbyszlachty.pl/herby_lista.php ... =3&lang=pl
Leider ist über die letzteren beiden Familien in der klassischen poln. Herbarz-Literatur nichts zu finden. Wobei hier natürlich auch das (bekannte) alphabetische Problem des Buchstabens "S" hereinspielt, zu dem kaum mehr einer der Forscher (die immer bei "A" anfingen) vorgedrungen ist.

Zu den Szumski des Herb Jastrzębiec schreibt Niesiecki (Herbarz polski Kaspra Niesieckiego S.J. (1682-1744), hrg. von Jan Nep. Bobrowicz, Leipzig 1839-1845, Bd. 8, S.633f.), daß diese in den Woiwodschaften Plock, Wilna und Brest-Litauen angesessen waren. Erster Vertreter war ein Boxa z Szumska, der im Jahr 1400 als Jägermeister zu Krakau, anderen Quellen zufolge in Sandomierz auftauchte.

Meine Meinung: Die genannten Gegenden sind denkbar weit von Rügen entfernt, auch kulturell. Die Namensform "z Szumska" deutet übrigens klar auf einen polnischen Herkunftsnamen hin. Aus dem Westen eingewanderte Familien nahmen nicht oft ein polnisches Stammwappen an, dafür häufig einen polnischen Besitznamen, der mit dem ursprünglichen westslawischen oder deutschen Familiennamen keine hörbare Gemeinsamkeit mehr hatte, wobei der Wappenname oft deutsch blieb (Beispiel: die Borcke/Borek = Gostynski, v. Nadelwitz = Krenski, Kurzbach = Lancki usw.). Oder sie behielten auch den Namen bei, der nur etwas polonisiert wurde, aber fast nie mit -ski. (Beispiel: v. Lucke = Luka, v. Unruh = Unrug, v. Dönhoff = Denhof usw.)
Einen deutschen Namen zu einem polnischen Herkuntsnamen umzuformen, wäre linguistisch eigentlich auch unsinnig gewesen.

Beste Grüße :wink:
(vW)

Gast

Beitrag von Gast » 17.01.2011, 13:47

Ab wann sind diese Rüganer eigentlich "deutsch" geworden, haben deutsch geheiratet, deutsche Vornamen gewählt ?

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