Manteuffel; Rogalla; Manteuffel-Kielpinski; Kielpinski

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Laie
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Manteuffel; Rogalla; Manteuffel-Kielpinski; Kielpinski

Beitrag von Laie » 07.02.2008, 20:26

Werte Kollegen,

die Manteuffel-Kielpinski, teilweise auch als Kielpinski-Manteuffel anzutreffen, stammen aus dem pommerschen Haus Cölpin der Familie Manteuffel. Dennoch muss sich das Wappen vom pom. wesentlich unterschieden haben, da sie der Wappengemeinschaft Rogalla zugerechnet werden, darin aber wiederum von den Kielpinski unterschieden werden.

Besteht die Möglichkeit hier auf dem Forum die jeweiligen Blasonierungen mitgeteilt zu bekommen?

Grüße
L. Severin al. Laie

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 07.02.2008, 21:43

Rietstap's Wappenwerk „Armorial Général“ zufolge führte die Familie MANTEUFEL-KIELPINSKI das bekannte polnische Stammwappen „Rogala“. Eine Familie KIELPINSKI (mit gestrichenem „l“ und Betonungszeichen über dem „n“) wird in diesem Wappenwerk nicht genannt.

Polnischen Wappenwerken zufolge gab es 3 (vielleicht auch mehr) verschiedene Adelsfamilien namens KIELPINSKI,
welche die Stammwappen „Rogala“, „Jelen“ und „Mandywel“ führten.

In dem modernen „Adelslexikon“, das derzeit vom Deutschen Adelsarchiv in Marburg a.d. Lahn herausgegeben wird, werden die vorgenannten Familien nicht erwähnt.

Im übrigen wurde unlängst auf dem Lüneburger Zentralfriedhof die Grabstätte einer Familie „v. KIELPINSKI“ abgeräumt.

Freundliche Grüße vom Rhein

Klaus Liwowsky
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Beitrag von Klaus Liwowsky » 08.02.2008, 09:41

Hallo Lars!

Ich sags direkt - ich weiß es auch nicht genau. Hier wäre ein Fachmann für den kaschubischen Adel gefragt. Ich würde empfehlen, bei Herrn Gerhard v. Pazatka Lipinski nachzufragen. Er ist u.a. Mitglied in der NSL.

Wo liegt das Problem? Die poln. Adligen haben ihren Familienamen und u.U. auch ihre Wappen gewechselt. Das dadurch entstandene Durcheinander hat den Kaschuben aber noch nicht genügt, sie haben sich noch zusätzliche Beinamen (przydomki) gegeben und schon bei geringen Änderungen an ihrem eigentlichen Stammwappen diesem wieder einen neuen Namen 'verpaßt'.

Pan Marcin Michał Wiszowaty, 'Generalsekretär' der polnischen Adelsvereinigung und ausgewiesener Fachmann für den kaschubischen Adel, schreibt hier:
http://www.szlachta.org/H-M.htm
Die Kiełpiński führten entweder das Rogala-Wappen oder ein 'własnego' - ein eigenständiges Wappen, nutzte dann jedoch den Beinamen (przydomki) Krupa.
Ein anderer Zweig benutzte den Beinamen Manteuffel ODER Mandywel und führt ausschließlich ein 'własnego'.

Nach Ostrowski, tom I, S. 340, gab es Mandywel I = Manteuffel (Nr. 1973 ) und Mandywel II = Rogala + Gryf (Nr. 1974).

Ich kann dies nur so interpretieren, daß die Kiełpiński przydomki Manteuffel das Wappen Mandywel II führten. Eigentlich Rogala, aber als Helmzier einen Greifen. Siehe hier:
http://www.jurzak.pl/gd/szablony/herb.p ... en&id=1071

Zernicki bearbeitete übrigens die Vasallenlisten aus den 1770er Jahren aus dem Berliner Staatsarchiv. Für die Familie Kielpinski-Manteuffel fand er 3 Eintragungen. Die Dokumente trugen zwar die Wappenabdrücke, die meisten war aber schlecht zu erkennen. Zernicki ordnete die genannten Einträge jedoch dem Rogala-Clan zu. Z.B. Karl v. Manteuffel-Kielpinski, Kapitän auf Lobsen. D.h. diese Familie führte sicher nicht das Manteuffel-Wappen.


Mit freundlichem Gruß
Klaus Liwowsky

Laie
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Beitrag von Laie » 08.02.2008, 15:54

herzlichen Dank für die wertvollen Hinweise, ich hatte (laienhaft) gehofft, es wäre dieses Mal einfacher, da die Familie ja erst im frühen 18. Jh. ins Schlochau'sche einwanderte, qasi erst kaschubisiert wurde.
beste Grüße
L. Severin al. Laie

von Kielpinski-Manteuffel
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Beitrag von von Kielpinski-Manteuffel » 02.03.2008, 23:51

Hallo zusammen,

an Laie: Du hast m.E. prinzipiell recht. Als Familienmitglied der von Kielpinski-Manteuffel möchte ich folgende Hinweise geben:

Blasionierung (Wappenbeschreibung)
Schild von Rot und Silber geteilt. Oben über der Helmkrone rechts ein schwarzes Büffelhorn, links ein rotes Geweih; Unten auf Silber belegt ein rotes Geweih (rechts) und auf Rot belegt ein schwarze Büffelhorn (links); rot-silberne Helmdecke; Kleinod zwischen Helm und Schild. Als Besonderheit (möglicherweise familiär bedingt) Farbe auf Farbe (Schwarz auf Rot). Üblich ist in der Heraldik Farbe auf Metall. Ein Greif über der Helmkrone wird in unserem Familienzweig nicht geführt, ist mir gleichwohl bekannt.

Ursprünglich führte unser Zweig der Familie v. Manteuffel ebenfalls das von Manteuffel'sche Wappen: roter Querbalken auf Silber. Aufgrund der Übersiedlung unserer Familien nach Polen im 17. resp. 18 Jhrt. wurde das Rogala (Horn) Wappen vermutlich angelehnt an die poln. Familie Kielpinski übernommen. Als deutscher Adel war es ohne eine polnische Identität nahezu unmöglich am polnischen Hofe Einfluß zu erlangen. Der Cölpiner (ehem. Kölpin, heute Kielpino) Zweig der v. Manteuffel aus Pommern ist die älteste Linie der Familie. Urkundlich zuerst im 13. Jhrt. mit Henricus de Manduvel als Vogt von Anklam erwähnt. Zu der einflussreichsten Linie unserer Familie gehört die Arnhausener Linie (titulierter Adel, u.a. Erasmus v. Manteuffel Bischof von Cammin). Nach Überlieferung stammt der Name Manteuffel (Man-deiv-wel) aus Pruzzen. Man nimmt an, dass unsere Familie einer Priesterkaste der Pruzzen aus der Zeit vor der Christianisierung im 12 Jhrt. entstammt.

Heute leben die Mitglieder unserer Stammlinie überwiegend unter dem Namen von Kielpinski in Polen (Posen), den USA und Deutschland.

Mit besten Grüßen
A. von Kielpinski-Manteuffel

Devil

Beitrag von Devil » 05.03.2008, 08:19

Halloh, A. v. Kielpinski-Manteuffel,
ich bin auch ein Manteuffel, allerdings aus den bailtischen Familien, und befasse mich mit der Genealogie der Großfamilie.
Darunter sind auch die vM-Kielpinski.
Könntest Du mir bitte mal eine direkte Mail senden?
Hier meine Adr: Peter.v.Manteuffel@t-online.de.
Es würde mich freuen.
Gruß - Devil

Joachim v. Roy
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Manteuffel

Beitrag von Joachim v. Roy » 05.03.2008, 14:29

Anmerkung

Eine „Großfamilie“ v. Manteuffel, zu der auch die Familie v. Kielpinski-Manteuffel gehören soll, gibt es nicht.

Die p o m m e r s c h e Uradelsfamilie v. MANTEUFFEL, die mit einem Henricus M a n d u v e l 1287 urkundlich zuerst erscheint und von der Mitglieder in den Reichsfreiherrnstand bzw. den Reichsgrafenstand erhoben wurden, führt
als S t a m m w a p p e n „In Silber ein roter Balken“.

Polnische Adelsfamilien, die ebenfalls in Silber einen roten Balken führten, gaben ihrem Wappen die Bezeichnung „Manteuff(e)l(l)“ .

Die b a l t i s c h e Uradelsfamilie v. MANTEUFFEL, die mit einem Gerardus S o y e 1325 urkundlich zuerst erscheint,
im 17. Jahrhundert den Beinamen „Manteuffel“ annahm und von der Mitglieder in den schwedischen Freiherrnstand
bzw. den Reichsgrafenstand erhoben wurden, führt als S t a m m w a p p e n „Geteilt, oben in Silber ein wachsender schwarzer Adler, unten von Rot und Silber dreimal geteilt“.

Noch der „Gotha“ von 1920 (vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, Reihe A: Deutscher Uradel, Gotha/Thüringen 1920, S. 568 f.) betrachtete – irrigerweise – sowohl die pommersche als auch die baltische Familie v. MANTEUFFEL als e i n Geschlecht. Heute wird jedoch zwischen den beiden Familien sorgfältig differenziert.

Freundliche Grüße vom Rhein

Laie
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Beitrag von Laie » 08.03.2008, 06:58

Liebe Kollegen,

natürlich ist das allen beteiligten und Angehörigen bekannt. In der Vergangenheit jedoch haben sich die baltischen und pommerschen Familien mehrfach und intensiv um einen Verbindung bemüht, sei das ehelich oder ursprungsmäßig. Das es diesen gemeinsamen Spitzeahn nicht gibt, ist heute wie gesagt klar. Es würde mich jedoch nicht überraschen wenn es dennoch sogar einen gemeinsamen Familienverband gibt, trotz der Herkunftsdiskrepanz.

Die pln. Linie Kielpin jedenfalls ist jedoch sehr sicher im jüngeren Haus an die pommerschen Manteuffel (Haus Cölpin) anzubinden. Das ältere Haus Kielpin immer noch sehr wahrscheinlich. Unklar ist allerdings, ob die Deszendenz des (Andrzej Manteuffel, + 1716, asesor sądu ziemskiego: Człuchów 1684-, sędzia ziemski: Tuchola 1713-) noch blüht und ob dieser selber mit anderen Manteuffel-Familien verbunden werden kann.

Auch ich werde bilateral den Kontakt zu dir, A. von Kielpinski-Manteuffel, suchen.

Beste Grüße
Lars al. Laie

von Kielpinski-Manteuffel
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Beitrag von von Kielpinski-Manteuffel » 10.03.2008, 22:47

An Peter v. M.:

Vielen Dank für Deine Email. Werde umgehend antworten.


An Lars:

Ergänzung zum ersten Beitrag:

Die Familie v. Kielpinski resp. v. Kielpinski-Manteuffel dürfte sich, wie bereits erwähnt, von der Familie Kielpinski aus Masowien („das ältere Haus Kielpinski“) unterscheiden (vergl. Adam Boniecki, Hebarz. Polski).

Im Jahre 1580 und 1590 wird ein Jakob Kielpinski als Steuereinnehmer im Bezirk Zakrocim erwähnt. Weitere Familienmitglieder sind Pawel (Weiß-Russland), sein Bruder Krzysxztof in Podulu, Adam – Domkapitular in Wilna, Gabryel, Adam, Felicyan und Waclaw um 1648 im Land Warschau. 1674 Adam in Zakrocim. Der Nachweis über die Familie Kielpinski liegt mir zum Jahr 1449 vor. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang ein Bartlomieja aus dem Hause Kielpina.

Bei dem von Dir angeführten Andrzej (Kazimierz) Manteuffel (+ 1716), tucheler Landrichter, dürfte es sich gem. Boniecki um ein Mitglied der v. Kielpinski-Manteuffel handeln. Sein Sohn war Krzysztof Fryderyk (* 1671 in der Pfarrei Ogorzelin, + 1717(?) o. 1739 königlicher Sekretär). Ersterwähnung in diesem Zusammenhang mit (Paul) Krzysztof, 1665 Herr auf Grandhof/Kölpin (vermutlich Vater des A. und Bruder von Peter Wilke s.u.). Dieser wiederum Sohn von Wilke (1608 Herr auf Neuhof). Wilke war der Sohn von Jürgen und dieser entstammt nachweislich direkt der Kölpiner Linie der v. Manteuffel.


An Joachim v. R.:

Der Zusammenhang mit dem baltischen Familienzweig ist mir nicht näher bekannt. Eine pauschale Negation insbesondere in Bezug auf die Familienverzweigungen v. Kielpinski resp. v. Kielpinski-Manteuffel mit der Familie v. Manteuffel ist gänzlich abzulehnen, da unbegründet.

Dein Hinweis auf die Ersterwähnung der v. Manteuffel ist nur bezüglich der Kölpiner Linie korrekt.

Konkret: nachweislich (vergl. Pommerelisches Urkundenbuch, Danzig 1881. Meklenburgisches Urkundenbuch, Schwerin 1865. Pommersches Urkundenbuch, Stettin 1888 u.a.) wurde die Familie v. Manteuffel zunächst

I.
1256 mit Johannes dictus Manduuel, Vogt de Thanglim, aducatus, Zeuge in Lipa unter Herzog Barnim I. erwähnt.

II.
Um 1287 resp. 1309 mit Heinrich I. Manduvel aducatus, Vogt und Ritter in Stargart, Zeuge in Colberg bei Kölpin unter Bogislaw IV.

III.
A) Heinrich Manduvel d. II., 1305 Knappe in Stargart, 1335 Zeuge in Treptow a.d.R., 1315 Ritter auf Kölpin,
B) Gerhard Manduvel, 1305 Knappe in Stargart, 1315 Ritter auf Kölpin (vermutlich Stammhalter der Arnhauserner Linie),
C) Engelke Manduvel, 1305 Knappe in Stargart, 1327 Vasall Heinrich v. Mecklenburg, 1320 Herr auf Rattei, Linie erloschen um 1779.

Eine Verwandtschaft zwischen Heinrich I. und Johannes ist mehr als wahrscheinlich.

Die Verwandtschaft der v. Kielpinski-Manteuffel resp. von Kielpinski mit der Familie v. Manteuffel ist u.a. durch Peter Wilke (s.o.) v. Manteuffel („geht 1713 nach Polen und nimmt den Beinamen Kielpinski“ an, Elsenau b. Schlochau; vergl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen, Deutscher Uradel, Gotha/Thüringen 1902) belegt. Das preußische Heroldsamt änderte den Beinamen Kölpinski in Kielpinski. Die Manteuffel auf Elsenau nannten sich sehr lange Kielpinski. Erst gegen 1800 wird der Beiname Kielpinski z.T. wieder abgelegt.

In weiteren lit. Quellen (vergl. Ausgestorbener preussischer Adel, Provinz Pommern, Band: Bd. 6, Abth. 9, Jahr: 1894) erfolgt ebenfalls der Verweis auf Polen mit v. M.-Kielpinski („vom Gut Kölpin“), gleichwohl ebenso v. M.-Popielowski („vom Gut Poppelow/Poplaw“, h. Wlasnego).

Aus div. Quellen u.a. Winckler, Arch. Königsberg, Zernicki/Geschichten des Poln. Adels – Vasallen 1772, Arch. Posen, ergeht der Hinweis, dass das Wappen Rogala (herbu Rogala) teilweise von Mitgliedern der Fam. v. Manteuffel-Kielpinski (Elsenau-Zweig) geführt wird.

Im Zusammenhang mit Erazm Mantefelt Licentiatus, Bischof von Cammin, + 1555, über Familien in Preussen wurde folgende Anmerkung gefunden: „...Die Familie Kielpinsky hat sich auch Mandywel genannt, und nennt sich so bis zum heutigen Tage. “

Mit besten Grüßen

Laie
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Beitrag von Laie » 11.03.2008, 05:51

Werte Kollegen,

ich möchte den Exkurs noch einmal auf die Wappenfrage zurück bringen.

Es gab einige Übersiedlungen nach dem damaligen Polen, hier: insbesondere unter der hinterpommerschen Nobilität. Dies ist auch von den Podewils oder Puttkamer bekannt, die dann auch pln. Ämter bekleideten und dortiges Ansehen genossen. Die beiden genannten Familien sind den Manteuffel durchaus als standesgleich anzusehen, sie gehörten zu den sgn. “schlossgesessenen“.

Was aber deutlich unterschieden werden kann, und mir ist bisher auch kein Adäquat bekannt, ist die Annahme eines Neuen Wappens.

Wir haben Familien Manteuffel die zumindest nach heutigem allgemein anerkannten Stand der Forschung nicht agnatisch zu einer standen, jedoch die das gleiche Wappen (zumin. d. Schild) führten. Nämlich die baltischen Zöge und die Pom. Manteuffel.

Dann haben wir zwei Familien von denen in der dt. Literatur (GGT) behauptet wird Sie seihen agnatisch verwandt. Diese jedoch führten nachweislich unterschiedliche Wappen. Das wären wiederum die Pom. Manteuffel und die Manteuffel-Kielpinksi.

Habe ich es jedoch recht verstanden so führten einige unter den zuletzt genannten auch wieder das Wappen der Pom. Manteuffel bzw. das Wappen Mandywel, eine “Abwandlung“ des Wappen Rogala mit einem Greif auf dem Helm. Das wiederum kann aber auch als Hinweis verstanden werden zu einer Pom. Herkunft.

Was kann diese Familie bewegt haben das Wappen einer sehr wohlhabenden und regional angesehenen Familie abzulegen und das Rogala anzunehmen? Gibt es für eine solche Vorgehensweise weiter Belege in anderen Familien?

Ich würde mich freuen hier noch einmal die Diskussion fortsetzten zu können.

Beste Grüße
Lars

Moscicki
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Beitrag von Moscicki » 12.03.2008, 00:01

Ein Grund hierfür könnte in der damaligen politischen Situation begründet sein. Ab 1600 gab es verstärkt rivalisierende, ja verfeindete Adelskoalitionen.
Wenn sich also diese Familien in verfeindeten Koalitionen befanden, ist ein Wappenwechsel durchaus denkbar. Wie gesagt: ist lediglich eine mögliche Begründung! Hier müßte man nähere Nachforschungen betreiben, wenn dies überhaupt möglich ist.

Grüße Moscicki

von Kielpinski-Manteuffel
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Beitrag von von Kielpinski-Manteuffel » 12.03.2008, 00:20

Hallo Lars,

um es vorweg zu nehmen, für viele andere Familien wie z. B. v. Bieberstein, Wessolowski (http://www.baltische-ritterschaften.de/ ... essage=.55), von Rautenberg-Klinski und von Lehwald-Jezcerski kann ähnliches angenommen werden, gleichwohl auch für andere Zweige der Manteuffel (vgl. mein 2. Beitrag resp. Beitrag Liwowsky bzgl. d. Fam. v. M.-Popielowski vom Gut Poppelow/Poplaw mit dem Wappen Wlasnego).

In meinem ersten Beitrag deutete ich bereits den Zusammenhang mit dem Einfluß in poln. Ämtern und die Herkunft an.

Mitglieder des poln. Adels wurden ausschließlich als selbige geboren. Fremde, die den poln. Adel nicht nachweisen konnten oder fremder Herkunft waren, hatten drei Möglichkeiten, den poln. Adelsstand, somit ius militare ein poln. Wappen zu erwerben:
a) Adoption,
b) Nobilitation,
c) Indigenatus.

„b)“ ist m.E. in Bezug auf die Übernahme des Rogala Wappen auszuschließen, da ausschließlich poln. stämmigen vorbehalten.

„a)“ wäre eine Möglichkeit, gleichwohl warum solle bei einer vollständigen familiären Assimilation der Name Kielpinski und Manteuffel gleichzeitig resp. singulär der Name Manteuffel i.V.m. dem Rogala Wappen geführt worden sein.

Möglichkeit „c)“ wäre für mich die wahrscheinliche Antwort bzgl. eines „Wappenwechsel“. Indigenat bedeutete die Aufnahme eines Fremden in den poln. Adel durch den poln. Landtag (Parallelen zur Huldigung von Marienburg 1772). Dieser Fremde m u s s t e aber in seiner Heimat adeliger Herkunft gewesen sein. Zzgl. seinen Stammbaum vorzeigen und einen Eidschwur leisten. Poln. Familien erlaubten dann den „Fremden“, das Führen ihrer Wappen. Vereinzelt zuweilen erst nach Adoption (vergl. M. Gumowski, „Handbuch der Poln. Heraldik“ Graz-Austria 1969).

Das Rogala Wappen gehörte zu einem der wichtigsten Adelswappen mit altpoln. Namen und wurde von mehreren Familien geführt. Was liegt näher, als das Rogala Wappen anzunehmen, das eben auch von den poln. Kielpinski geführt wurde und dazu mit den gleichen Farben belegt war (Kölpin=Kielpino, übrigens weder ein deutscher noch ein poln. Begriff. Entstammt möglicherweise urspr. dem pruzz. Begriff Kchelp=Schwan o. ä.). In diesem Zusammenhang sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die „polnisierten“ Manteuffel wichtige Ämter u.a. als kgl. Sekretär, Richter, Geistliche u.a. bekleideten.

Abschließend nachfolgende Textauszüge:

"...In einem solchen Falle erfolgte eine förmliche Rezeption in den anderen Wappenstamm, der neu Eintretende wurde gleichsam von der ganzen
Wappengenossenschaft adoptiert. Es soll nicht behauptet werden, daß nur ein solcher Vorgang wie der eben erwähnte, den Grund zur Aufnahme in einen fremden Wappenstamm abgab, sondern die Gründe zu einem
solchen waren allem Anscheine nach sehr mannigfaltig, und Macht und politische Bedeutung eines bestimmten Wappenstammes übten gewiß einen starken Einfluß aus; so viel ist aber gewiß, daß diese Aufnahme fremder, keineswegs agnatisch, oft nicht einmal cognatisch verwandter Geschlechter, in eine fremde Wappengenossenschaft eine althergebrachte polnische Sitte ist (vetus estinde a majoribus usitata consuetudo). Solche Rezeptionen ganz fremder Familien in polnische Wappenstämme fanden z.B. massenweise statt bei der Vereinigung Littauens mit Polen im J. 1413, ferner nach der Abtretung von Westpreußen an Polen im J. 1466. Hier trat der Fall ein, daß deutsche Geschlechter mit Aufgebung ihres Wappens sich in polnische Wappengenossenschaften begaben, um polnische Erbgüter besitzen zu können893. So gab z. B. ein Zweig der von Lehwald sein Stammwappen (Arm mit Ring) auf, und ließ sich mit dem Beinamen Jezcerski in die polnische Wappengenossenschaft Rogala (Hirschhorn und Büffelhorn) aufnehmen, desgleichen ein Zweig des pommerschen Geschlechts von Manteuffel (W.: ein roter Querbalken) mit dem Beinamen Kielpinski (entnommen von dem Stammsitz Kölpin in Pommern) in
denselben Wappenstamm Rogala,..."

"Bei der Aufnahme fremder Geschlechter in polnische Wappenstämme scheint häufig nur die Ähnlichkeit des angestammten Wappens mit dem Wappen eines polnischen Wappenstamms maßgebend gewesen zu sein. So wurde das altpreußische Geschlecht von Kalkstein, welches drei weiße
Querbalken im roten Felde führte, unter dem Namen Oslowski in den polnischen Wappenstamm Korczak (drei,abgekürzte weiße Querbalken in Rot) aufgenommen, ferner ein Zweig des pommerschen Geschlechts von Puttkamer, das einen roten Greif mit weißem Fischschwanz im blauen Felde führt, unter dem Namen Klesczynski (entnommen von dem Stammsitz Kleschinz bei Stolp) in den polnischen Wappenstamm Gryf (weißer Greif in Rot); Mathias oder Maszko Borkowicz aus dem
pommerschen Geschlecht der Borcken, welches im Schilde zwei Wölfe, auf dem Helm einen wachsenden Hirsch führte, gehörte dem polnischen Wappenstamm Napiwowye (Hirschkopf mit einem Wolf zwischen den Hörnern) an etc."

Beides entnommen aus "Geschichte des
Geschlechts v. Kleist", Zweiter Teil von G. Kratz, L. Quandt, von Mülverstedt, Wilhelm Stettin (1873)

Mit besten Grüßen

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