Farben in Wappen

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Scout

Farben in Wappen

Beitrag von Scout » 20.01.2007, 21:35

Hallo, ich bin Produktdesignstudent und muss für eines meiner Fächer ein Farbenbuch erstellen, das ich dem schönen Thema Farben auf Wappen und eventuell deren Bedeutung widmen wollte. Ich habe nun im Forum gelesen, dass Farbbedeutungen nicht in der Form wie ich dachte existieren. Lässt sich den nichts allgemeines über Farben auf Wappen sagen, außer das was in der Einheit dieser seite darüber steht.
Ich habe den Beitrag gelesen, in dem die Farbgebung von Wappen anhand der Farbe grün abgehandelt wurde. das Grün teuer war und seinen "Bedeutungswandel" im Laufe der Zeit von der "Top"- zur "Flopp"-Farbe. Auch mit solchen Auskünften wäre ich sehr glücklich. Vielleicht kennen Sie ja einen guten Link für sowas, oder könnten mir selbst auskünfte über die gebräuchlichsten Farben geben. Wie sie zusammengesetzt waren etc. Ich wäre Ihnen wirklich sehr, sehr dankbar!
Schönen Abend noch
P.S. man möge mir verzeihen, wenn ich übersehen haben sollte, dass es dieses Thema schon mal gab.

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Jochen
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Beitrag von Jochen » 20.01.2007, 21:50

Also, wenn Sie sich bei Wikipedia durch den Begriff "Grün" (oder natürlich auch andere Farbbegriffe) durchhangeln, kommen Sie recht einfach auf sehr viele interessante Beiträge.

Dort gibt es sowohl kulturgeschichtlich als auch naturwissenschaftlich äußerst lohnende Beiträge.

Es gibt ferner ein durchaus interessantes Buch "Farben. Natur - Technik - Kunst" von Welsch und Liebmann (habe ich nur mal auf eine Rezension in der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" hin in einem Buchladen angekuckt).

Dieses Werk sollte man sich allerdings erstmal zur Ansicht bestellen, vor allen Dingen auch wegen des nicht gerade geringen Preises....
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Frank J. Reuther
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Beitrag von Frank J. Reuther » 20.01.2007, 22:01

Ja, für die wissenschaftliche Heraldik gilt, dass die Farben keine Bedeutung haben. Herr Billet sagt immer so schön, dass dies der Esoterik zuzordnen sei. Über die Tinkturen (Farben, Metalle und Pelzwerk) könnte man allerdings schon so einige Ausführungen machen.
Mit freundlichen Grüßen
Frank J. Reuther, MdH
Quia Dominus dat sapientiam et ex ore eius scientia et prudentia. (Prv 2;6)
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M. Waas
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Beitrag von M. Waas » 22.01.2007, 08:05

Im Mittelalter bedachte man die Tinkturen eines Wappens mit einer Werteskala. Gold, Silber, Rot, Blau, Schwarz, Grün! Das hat aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun sondern gehört ins Reich der Fabeln. :wink:

Bas den Brok
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Beitrag von Bas den Brok » 22.01.2007, 23:11

M. Waas hat geschrieben:Im Mittelalter bedachte man die Tinkturen eines Wappens mit einer Werteskala. Gold, Silber, Rot, Blau, Schwarz, Grün! Das hat aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun sondern gehört ins Reich der Fabeln. :wink:
Ich verstehe das nicht so gut. Gab's nur ein paar "Spinner" die das damals dachten, oder war es eher eine weile die gängige Meinung?

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M. Waas
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Beitrag von M. Waas » 23.01.2007, 05:50

Nein keine Spinner sondern eine damalige scholastische Meinung, die sich allerdings nie durchsetzte.

So war das ledige Schild - nur eine Tinktur - das vornehmste. Angeblich!
Dann folgten die einfachen Teilungen, gespalten und geteilt, quadriert usw.! Dann kamen die Heroldsbilder, dann die gemeinen Figuren - alles wieder unterteilt nach Wertigkeit.
Bei den Tinkturen sollte Gold nur den Fürsten zustehen, Silber den Edelleuten. Man verstieg sich dann soweit, das man noch die Farben Gelb und Weiß erdachte.
Diese Wertigkeiten haben sich teilweise noch in der englischen und in der spanischen Heraldik bis auf den heutigen Tag erhalten. :wink:

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Heilbronner
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Farbloses (?) Wappen der ehemaligen Gemeinde Böttingen

Beitrag von Heilbronner » 24.01.2007, 11:59

Neuer Fall:

Archivdirektion Stuttgart, Nr. 3853, 2.7.1974:
"Bis zur 1938 erfolgten Eingemeindung in die Stadt Gundelsheim führte Böttingen im Gemeindedienstsiegel ein Wappen mit gespaltenem Schild. Im vorderen Feld ist eine Butte (...) zu erkennen, während hinten auf schwarzem Grund die drei württembergischen Hirschstangen erscheinen, die bei diesem Farbentausch golden (gelb) gewesen sein müssen. Die Farben des vorderen Schildfeldes sind hier nicht bekannt, vielleicht auch nie festgelegt worden. Der Grund dieses Feldes kann nach den heraldischen Regeln nur golden (gelb) oder silbern (weiß) gewesen sein. Wahrscheinlich war er gleich tingiert wie die Hirschstangen. Für die Butte ist am ehesten die Farbe Rot anzunehmen, doch könnte diese auch grün oder blau gewesen sein. (...) Es wird anheim gestellt, das als amtliches Bildkennzeichen erloschene Wappen der beiliegenden Faustskizze entsprechend zu kolorieren."
<- Auf der Skizze ist die Butte rot bemalt (auf goldenem Grund).

Nun zeigt die Stadt das "erloschene Wappen" im Ratsaal als Wandbild und bei sonstigen Ausschmückungen (+ auf meine Anfrage hin) mit grüner Butte. Jedoch: der einzige Sportverein am Ort hat zu Ausschmückungszwecken im Jahre 1980 das Böttinger Wappen mit roter Butte gezeigt.

Ist die (Farb-)Entscheidung der Stadt (unter Nicht!berücksichtigung der Archivdirektions-Empfehlung) in diesem Fall nicht zwingend zu beachten?

Könnte nun jeder, der das Böttinger Wappen zu Ausschmückungszwecken nutzt, nach eigenem Gutdünken die Butte in anderer Tingierung zeigen ?

(P.S.: Ich habe nur eine schwarz-weiße Skizze des Böttinger Wappens, die ich hier einstellen könnte, wenn ich`s könnte... - bin aber technisch etwas unbedarft.)[/url]
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Tekker
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Re: Farbloses (?) Wappen der ehemaligen Gemeinde Böttingen

Beitrag von Tekker » 24.01.2007, 14:20

Heilbronner hat geschrieben:Ist die (Farb-)Entscheidung der Stadt in diesem Fall nicht zwingend zu beachten?
Ich denke nicht, da die Stadt ja einen entscheidenden heraldischen Fehler beging: Sie tingierte ein Wappen, für das es keine belegte Tingierung gibt!
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Aldus_Hopp
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Beitrag von Aldus_Hopp » 24.01.2007, 21:08

Es ist das gut Recht der Stadt eine Tinktierung festzulegen oder jederzeit zu verändern. Allerdings sollte sie das in einer Entsprechenden Verordnung, Satzung oder Veröffentlichung bekannt geben.

Die Empfehlung des Archivs ist halt nur eine Empfehlung.
Mit freundlichem Gruß
Aldus Hopp

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