Wappenführung

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Joachim v. Roy
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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 23.11.2020, 20:14

Falls von Interesse

Bei der Sichtung von Familienunterlagen stellte ich fest, daß meine Familienangehörigen,
soweit diese als H a n d e l s h e r r e n in Danzig und Elbing ansässig waren, in der Zeit
von etwa 1 7 5 0 bis 1 8 5 0 ihre G e s c h ä f t s s a c h e n (auch Testamente) nie
mit ihren Wappensiegeln siegelten, sondern daß sie mit ovalen bzw. rechteckigen Siegeln
siegelten, welche die Bezeichnungen „A.v.Roy“, „C.v.Roy“ und „D.v.Roy“, seltener „D v R“
und „H.v.R“, aufwiesen.

Anders verfuhren die Roy'schen Handelsherren im p r i v a t e n Bereich: hier siegelten sie
- ebenso wie ihre grundgesessenen Roy'schen Vettern - stets mit ihren Wappensiegeln.
Ob die in Kingston-upon-Hull bzw. in Hamburg ansässigen Roy'schen Handelsherren ebenso
verfuhren, konnte ich nicht ermitteln, da das bedeutendste Roy'sche Handelshaus in Hamburg
beim großen Brand von 1842 unterging. Leider sind meine Erkenntnisse wenig aussagekräftig,
da sie sich nur auf wenige gerettete Geschäftsunterlagen, Testamente und private Briefe
gründen. Das umfangreiche Roy'sche Familienarchiv (im Herrenhaus Wierzbiczany, Provinz Posen),
das hier zuverlässigere Aussagen erlauben würde, ging im Januar 1945 unter.

Freundliche Grüße vom Rhein

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Tejas552
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Re: Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 24.11.2020, 09:11

Sehr interessant. Vielleicht ist dies ein Hinweis, dass ein Familienwappen, dass für alle Familienmitglieder identisch ist, im Geschäftsleben eines Handelshauses nicht praktisch war. Siegel, die die Initialen einzelner Handelsherren zeigten konnten als persönliche Zeichen, ähnlich wie Unterschriften fungieren. Wie sieht eigentlich das Wappen v. Roy aus?

Beste Grüsse
Dirk

PS I war im Sommer in Danzig und Elbing. Elbing hat sich von den Zerstörungen des Krieges leider nicht erholt. Die Wiederaufbauversuche sind insgesamt gescheitert. Anders sieht es bei Danzig aus. Die Stadt ist trotz fast völliger Zerstörung im Weltkrieg auch heute wieder ein Juwel an der Ostsee.

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Claus J.Billet
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Re: Wappenführung

Beitrag von Claus J.Billet » 24.11.2020, 10:29

hm ...

Wappen v. Roy:
eingetragen in der Sammlung DWR, Bd. 16, Seite 55
www.Wappen-Billet.de
M.d.WL.
M.d.MWH.

Joachim v. Roy
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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 24.11.2020, 11:44

Das alte Stammwappen meiner Familie wurde am 19. Juli 1 6 8 3 im Schöffenbuch
der Stadtrepublik Danzig beglaubigt (Siegel des Handelsherrn Heinrich v. Roy,
Gutsbesitzer in Petershagen b. Danzig). Leider findet sich im Schöffenbuch
keine Abbildung des Wappens. Einige Familienmitglieder führten als Vasallen
des Kartäuserklosters Sankt Marien-Paradies
- https://de.wikipedia.org/wiki/Kartause_ ... _(Kartuzy) -
nach dem 16. August 1 7 4 4 (Lehnsbrief des Priors und Konvents des Klosters)
das polnische Stammwappen Trzy kłosy (= Drei Ähren).

Im übrigen übernahm die Gesamtfamilie bereits im 18. Jahrhundert das Wappen
der aus dem Val-de-Travers b. Neuchâtel stammenden (1772 erloschenen) Familie
de Roy (vgl. Tyroff, Wappenbuch der Preussischen Monarchie, Bd. 4, Nürnberg 1846,
Tafel 40 - https://books.google.de/books?id=_bBAAA ... &q&f=false -
in der - irrigen - Annahme, daß unsere Familien miteinander verwandt
seien. Man wußte es damals halt nicht besser. Im Jahre 1 8 9 2 bestätigte
das Preußische Heroldsamt die Weiterführung dieses Wappens in modifizierter Form.

MfG

P.S. Die Angaben in der Deutschen Wappenrolle (DWR) sind fehlerhaft.
Hier ist der Text mittlerweile überholt (mein Fehler), auch wurde das Wappen
falsch gezeichnet.

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Gerd H.
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Re: Wappenführung

Beitrag von Gerd H. » 24.11.2020, 17:04

Sehr interessante Ausführungen!
Joachim v. Roy hat geschrieben:
24.11.2020, 11:44
.... auch wurde das Wappen
falsch gezeichnet.
Ist damit gemeint das in der Zeichnung erniedrigte Sparren bzw. Sturzsparren zu sehen sind anstatt Sparren in Normalposition wie im Blason angegeben oder gibt es da noch andere Abweichungen, wenn ich fragen darf?
Mit besten Grüssen
Bild
Gerd

Joachim v. Roy
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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 24.11.2020, 20:50

Die willkürliche Absenkung der Sparren widerspricht dem Blason.
Sie widerspricht zudem der alt-überlieferten Form der Roy'schen Sparren,
vgl. https://www.chgh.ch/9466-r/robadey-royer/roy .

MfG

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Tejas552
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Re: Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 25.11.2020, 08:31

Joachim v. Roy hat geschrieben:
24.11.2020, 11:44
Das alte Stammwappen meiner Familie wurde am 19. Juli 1 6 8 3 im Schöffenbuch
der Stadtrepublik Danzig beglaubigt (Siegel des Handelsherrn Heinrich v. Roy,
Gutsbesitzer in Petershagen b. Danzig). Leider findet sich im Schöffenbuch
keine Abbildung des Wappens.
...
Im übrigen übernahm die Gesamtfamilie bereits im 18. Jahrhundert das Wappen
der aus dem Val-de-Travers b. Neuchâtel stammenden (1772 erloschenen) Familie
de Roy
Offenbar haben die Nachfahren des Heinrich v. Roy dass 1683 beglaubigte Wappen nicht geführt, so dass es sogar ganz in Vergessenheit geraten konnte. Wenn die Familie nicht mit den Schweizer de Roy verwandt ist, gibt es denn heute bessere Erkenntnisse woher die Familie stammt?

Wie ich schon mehrfach betonte stammt meine Familie aus Ostpreussen. Ostpreussen war lange Zeit ein Einwanderungsland und ich habe mich intensiv mit der Frage beschäftigt, woher meine Familie (im Mannesstamm) wohl gekommen sein mag. Da es den Namen Valtin (mit V) in Sachsen und Thüringen gibt und der Name Faltin (mit F) neben Ostpreussen auch in Schlesien verbreitet war, bin ich lange Zeit von einer Einwanderung aus Mitteldeutschland über Schlesien nach West- und Ostpreussen ausgegangen. Tatsächlich liess sich ein solcher Weg auch an historische Ereignisse knüpfen. So gab es eine mittelalterliche Migration von Mitteldeutschland nach Schlesien und im Zuge der Hussitenkriege verliessen viele Schlesier um 1400 ihre Heimat Richtung preussisches Ordensland.
Dank der DNA-Forschung ergab sich ein komplett anderes Bild. So war der direkte Vorfahr in der männlichen Linie bereits um 100 n. Chr. im Grossraum östliches Polen (östlich der Weichsel) ansässig. Dies lässt sich aus der Zugehörigkeit zur sog. Haplogruppe RZ17913 schliessen. Diese ist nordeuropäischen Ursprungs (U106), hatte sich aber um 100 n. Chr. nach Ostpolen ausgebreitet und mag spekulativ mit den ostgermanischen Goten in Verbindung gebracht werden. Mitglieder dieser Gruppe die in der Gegend blieben verschmolzen später mit den slawischen Masowiern, die wiederum im 13.-15. vermehrt ins südliche und östliche Ostpreussen einwanderten wo sie sich mit den baltischen Prussen vermischten. Tatsächlich war das Hauptverbreitungsgebiet der Faltins in Ostpreussen in Masuren. Der DNA-Test meines Vaters zeigten denn auch eine sehr klare Drittelung aus germanisch-baltisch-slawischer Herkunft. Solche Ergebnisse lassen sich, wohlgemerkt nur mit sophistizierten Tests gewinnen. Die oft angebotenen einfachen Tests reichen dafür nicht aus.
Nun, lange Rede kurzer Sinn, wenn die historischen Quellen versagen, lassen sich heutzutage -mit aller Vorsicht- einige Erkenntnisse gewinnen, die man noch vor kurzem für unmöglich gehalten hat.

Gruss
Dirk

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Gernot
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Re: Wappenführung

Beitrag von Gernot » 25.11.2020, 08:38

Bemerkenswert. Danke für das Teilen dieser interessanten Aspekte!

Joachim v. Roy
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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 25.11.2020, 11:21

Meine Familie tritt erstmals am 3. Mai 1 5 8 7 in D a n z i g mit dem Calvinisten
„Anthonius von R o y e“ in Erscheinung (s. Traubuch der reformierten Gemeinde
Sankt Petri et Pauli). Über seine Herkunft macht das Kirchenbuch keine näheren
Angaben. Die Schreibweise „von Roye“ (lateinisch: à Rhoda) findet sich zuletzt 1782.

MfG

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Gerd H.
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Beitrag von Gerd H. » 25.11.2020, 13:40

Danke für die Richtigstellung und auch Danke an Dirk für seine interessanten Ausführungen!

Dann müsste das Wappen so richtig aussehen (verbessern Sie mich bitte wenn es noch Fehler gibt):

auf Wunsch gelöscht
Mit besten Grüssen
Bild
Gerd

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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 25.11.2020, 14:37

Vielen Dank für Ihre schöne Wappenzeichnung, Herr Hruška.

In meiner Familie führt das von Ihnen gezeichnete Wappen niemand mehr.
Ich selbst führe ein Allianzwappen, wie es seit dem Jahre 1 8 8 2 in meiner
Familie geführt wird. Auch zeichne ich meine Wappen (von Hand) selbst,
wie dies bei „familie-greve“ (vornehmlich unter V) zu sehen ist. Ich würde
es deshalb begrüßen, wenn Sie Ihre schöne Wappenzeichnung löschen würden.
Dank für Ihre Mühen.

Freundliche Grüße vom Rhein

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Tejas552
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Re: Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 26.11.2020, 08:35

Joachim v. Roy hat geschrieben:
25.11.2020, 11:21
Meine Familie tritt erstmals am 3. Mai 1 5 8 7 in D a n z i g mit dem Calvinisten
„Anthonius von R o y e“ in Erscheinung (s. Traubuch der reformierten Gemeinde
Sankt Petri et Pauli). Über seine Herkunft macht das Kirchenbuch keine näheren
Angaben. Die Schreibweise „von Roye“ (lateinisch: à Rhoda) findet sich zuletzt 1782.

MfG
Der Vorname und die Schreibweise des Nachnamen, sowie die calvinistische Konfession, lassen mich an eine Herkunft aus den Niederlanden oder Flandern denken. Anthonius von Roye mag dort als Anthonies van Roye geboren worden sein. Der Name van Roye ist in den Niederlanden und Belgien auch heute noch geläufig. Aber dass ist sicher keine Neuigkeit für Sie.

Gruss
Dirk

Joachim v. Roy
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Wappenführung

Beitrag von Joachim v. Roy » 26.11.2020, 10:42

Am 15. Sept. 1877 berichtete ein Familienangehöriger seinem in Elbing wohnenden Neffen,
daß sein Bruder Karl (+ Danzig 1864) auf Wunsch des 1 8 3 4 pensionierten Danziger
Polizeipräsidenten v. Vegesack („anhand von Kirchenbüchern“) festgestellt habe,
daß im Sechzehnten Jahrhundert ein Gérard de R o y e „aus F r a n k r e i c h“ in Danzig
eingewandert sei. Leider gelang es mir nicht, diese Quelle aufzuspüren (die Bestände
des ehemaligen Danziger Staatsarchivs wurden 1945 durch Kriegshandlungen in erheblichem
Umfang vernichtet).

MfG

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Tejas552
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Re: Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 26.11.2020, 12:32

Joachim v. Roy hat geschrieben:
26.11.2020, 10:42
Am 15. Sept. 1877 berichtete ein Familienangehöriger seinem in Elbing wohnenden Neffen,
daß sein Bruder Karl (+ Danzig 1864) auf Wunsch des 1 8 3 4 pensionierten Danziger
Polizeipräsidenten v. Vegesack („anhand von Kirchenbüchern“) festgestellt habe,
daß im Sechzehnten Jahrhundert ein Gérard de R o y e „aus F r a n k r e i c h“ in Danzig
eingewandert sei. Leider gelang es mir nicht, diese Quelle aufzuspüren (die Bestände
des ehemaligen Danziger Staatsarchivs wurden 1945 durch Kriegshandlungen in erheblichem
Umfang vernichtet).

MfG
In jedem Fall eine spannende Familiengeschichte.
Vielleicht löst sich das Rätsel irgendwann und, wie oben beschrieben, könnte die genetische Genealogie Licht ins Dunkel bringen. Als ich vor rund 10 Jahren den ersten Gentest gemacht habe, war das kaum mehr als Spielerei. Das Feld entwickelt sich aber ungeheuerlich schnell. Zum einen werden die Testmethoden immer weiter verfeinert. Zum anderen lassen sich immer mehr Menschen testen. Es vergeht kaum ein Monat in dem mich nicht jemand kontaktiert weil es genetische Übereinstimmungen gibt, die auf einen gemeinsamen Vorfahren im Mannesstamm schliessen lassen.

Beste Grüsse
Dirk

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Re: Wappenführung

Beitrag von Manni24 » 11.12.2020, 14:18

Hallo, Herr v. Roy,

ein Zufallsfund aus der Sammlung Klose (früher verm. Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz, nun Universitätsbibliothek in Breslau).

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MfG
Manni

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