Goldbach von Sulittaborn

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Gerd H.z.B.
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Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Gerd H.z.B. » 24.01.2018, 14:44

Hier mal wieder etwas zum Thema "Wie komme ich zu einem Adelstitel und führe das auf alten Adel zurück?"

Durch Kalex1946 bin ich auf eine Seite aufmerksam geworden wo jemand diesen Titel und dieses zusammengebastelte Wappen führt, was auf den ersten Blick schon als völlig unheraldisch anzusehen ist.

http://www.gratis-webserver.de/goldbachvonsulitaborn/data/kundendaten/228174/Neues_Wappen.jpg

Dann ist da noch seine Familiengeschichte in der verschiedene Goldbach-Familien für eine Historie herhalten müssen und zu einer zusammengefügt werden. Mal davon abgesehen dass diese Familien auch unterschiedliche Wappen führen bzw. führten. Das beste kommt dann zum Schluss. Ich will den Überraschungseffekt nicht nehmen. :wink: Hier zum selbst lesen:

http://www.vorlese-graf.de/3.html

In der Wikipedia hat er auch seine Spuren hinterlassen und bei Anton Goldbach von Sulittaborn (mit 2 t ist korrekt) noch ein paar Angaben dazugedichtet. :shock:

https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Goldbach_von_Sulitaborn

Hier ein paar korrekte Angaben zu zwei der genannten Familien:

Anton Goldbach, k.u.k. Feldmarschall-Leutnant und Kommandant der 71. Infanterie-Division wurde in den Adelsstand mit "Edler von Sulittaborn" durch Ah. Entschließung, Schloss Laxenburg am 19.6.1917, Diplom Wien am 1.8.1917 erhoben, durch Kaiser Karl I.

Hier sein Wappen:

http://www.rodinny-erb.cz/files/150/goldbach-von-sulittaborn.jpg

Ein Balthasar von Goldbach wurde in den böhmischen Ritterstand erhoben, Laxenburg am 26.5.1698 mit diesem Wappen (Saalbuch 101, pagina 595v):

http://1.bp.blogspot.com/-blp7yyfN_g8/VhfgK3iv3vI/AAAAAAAAAHE/lnQAf2HhVjM/s320/von%2BGoldbach.jpg
Mit Grüssen Gerd
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Kleinschmid
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kleinschmid » 25.01.2018, 09:00

Da scheint kaum etwas zu stimmen:

Oskar Pusch hat die Breslauer Ratsgeschlechter in immerhin 5 Bde. bearbeitet. Goldbach findet sich in 2, 41-45. Danach handelt es sich um eine Kretschmer (Gastwirt, Krüger) - Familie aus Jauer in Niederschlesien. Eine Verbindung zur Adelsfamilie von 1545 ist demnach nicht vorhanden.

Pusch beschreibt ausführlich die Brüder u. Schwestern des 1671/98 geadelten Balthasar. Einen 'Carl Heinerich von Goldbach' gab es gar nicht.

Dessen angeblicher Urenkel Sebastian von Goldbach bzw. Freiherr von Maining finde ich nirgends.

Ob Wilhelm II. noch am 8.11.1918 jemand in den pr. Grafenstand erhoben hatte, kann ich momentan nicht nachprüfen.

Nachtrag: Bild wegen falscher Wappenzuordnung entfernt - siehe weiter unten!
Zuletzt geändert von Kleinschmid am 27.01.2018, 11:15, insgesamt 1-mal geändert.

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Kaltofen
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kaltofen » 25.01.2018, 09:05

Allein der Internetauftritt wirkt "sehr seriös"! :ironie:

Aber die Geschichte ist liest sich doch wunderbar! :D (für eine Komödie)

Gruß
Andre

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Gerd H.z.B.
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Gerd H.z.B. » 25.01.2018, 12:54

Kleinschmid hat geschrieben:Ob Wilhelm II. noch am 8.11.1918 jemand in den pr. Grafenstand erhoben hatte, kann ich momentan nicht nachprüfen.


Er schreibt ja das Anton Goldbach Edler von Sulittaborn zum Grafen erhoben wurde, was totaler Nonsens ist das ein Österreicher vom deutschen Kaiser vom einfachen Adligen zum Grafen erhoben wird und das dann noch vom österreichischen Kaiser bestätigt werden musste. Diese Bestätigung hätte der Genealoge Arno Kerschbaumer mit Sicherheit in den Wiener Akten gefunden bei seiner Recherche.

Ich bezweifle auch das dieser "Graf" von irgendeiner der Adelsfamilien abstammt. Den Nachweis mit Urkunden und Matrikenauszügen wird er sich nicht bringen können.
Mit Grüssen Gerd
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Kleinschmid
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kleinschmid » 25.01.2018, 18:51

Gerd H.z.B. hat geschrieben:Diese Bestätigung hätte der Genealoge Arno Kerschbaumer mit Sicherheit in den Wiener Akten gefunden bei seiner Recherche.

Besten Dank für den Hinweis, Herr Hruška. Dann brauche ich nach den dt. Nobilitierungen nicht weiter zu suchen. Gritzner informiert ja über die pr. Gnadenakte bis 1874. Und irgendwo hatte ich bereits eine Liste gesehen, die dann die Lücke bis Ende 1918 schließt. Vermutlich war es ein Artikel im 'Deutschen Herold'. Aber im Moment komme ich nicht drauf ...

Joachim v. Roy
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Letztes Adelsprädikat 1918

Beitragvon Joachim v. Roy » 26.01.2018, 10:56

Anmerkung am Rande

Im „Deutschen Adelsblatt“ vom 15. Jan. 2018, S. 5, macht der Wiener Genealoge
Dr. Georg Freiherr v. Frölichsthal darauf aufmerksam, daß „das l e t z t e Adelsprädikat
in Deutschland am 12. (zwölften) N o v . 1918 der Geheimrat Kurt von Kleefeld durch den
Fürsten Leopold IV. von Lippe verliehen bekam“. - Ebenso das „Adelslexikon“, Bd. VI [1987],
S. 258.

MfG

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Gerd H.z.B.
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Gerd H.z.B. » 26.01.2018, 12:43

Danke für den Hinweis Herr von Roy!

Den Artikel zu Anton Goldbach von Sulittaborn habe ich berichtigt. Leider ließ sich in der Überschrift das zweite t nicht einfügen.
Mit Grüssen Gerd
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kalex1946
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon kalex1946 » 27.01.2018, 00:03

@ Kleinschmid

Ist etwas bei der obigen Zuordnung der beiden dargestelleten Wappen durcheinander geraten?

Hier http://archivinformationssystem.at/deta ... id=2355820 steht

Ref. code: AT-OeStA/AVA Adel RAA 148.19
Title: Goldbach, Johann Georg, Kanzleidirektor des Reichserbtruchsessen Grafen Wolfsegg-Waldsee, Georg Heinrich, JULic., Georg Wilhelm, Brüder, rittermäßiger Adelsstand, "von"
Creation date(s): 5/1/1707
Verleihungsdatum: 5/1/1707
Ausstellungsort: Wien

für das rechts abgebildete Wappen. Balthasar Goldbach hatte sein Wappen etwas früher (1698) als 1707 verliehen bekommen.

Gruß aus South Carolina

Kurt

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kalex1946
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon kalex1946 » 27.01.2018, 00:30

oder ist im ÖstA das falsche Wappenbild den 1707 geadelten Goldbachs zugeordnet? Wem dann gehört das oben links abgebildete Wappen mit Datum 1598?

Gruß aus South Carolina

Kurt

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kalex1946
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon kalex1946 » 27.01.2018, 01:01

Habe soeben hier

https://books.google.com/books?id=3lRdQ ... en&f=false

dieses gefunden

Bild

wobei ein schräglinker, schwarzer Balken blasoniert wird.

Gruß aus South Carolina

Kurt

Kleinschmid
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kleinschmid » 27.01.2018, 11:25

Ja, da stimmt etwas nicht. Mir war schon aufgefallen, daß der von Herrn Hruška angegebene Link auf das andere Wappen verweist. Vielleicht ordnen wir mal:

Sinapius beschrieb im Jahr 1720 das Wappen der 1545er (nicht 1598!) Goldbach wie folgt: '... einen rothen Schild, in deßen Mitte gleiche durch von der lincken zur rechten ein goldner Bach oder Strom auf schwarzem Grunde. Von oben herab biß an die Spitze des Schildes geht durch den Schild ein Ancker, deßen Griff golden, das übrige weiß. Auf dem gecrönten Helme zwischen 2. Hörnern, deren vörderes roth, das hintere schwarz, ein Gold-gecrönt Mohren-Bild ohne Hände und Füße, am Leibe mit einem goldnen Gurte umbbunden. Die vördere Helmdecke gelb u. schwarz, die hintere weiß u. roth.'

Das stimmt mit Kneschke und Ledebur überein.

Während Siebmacher den 1545er Goldbach das Wappen: '1. u. 4. Q. im blauen Feld ein schräglinker silberner Strom. 2. u. 4. Q. über einem dreihügeligen Berge im rothen F. eine Sonne' zuweist.

Und Zedlitz-Neukirch beide durcheinander bringt und sie schnell noch mit einer ursprünglich 'einst in Thüringen ... stehenden Familie' verbindet. Siehe hier.

Was stimmt nun?

Das 1671/1698er Goldbach Wappen für Balthasar ist ebenfalls beim Wiener Archiv online. Siehe hier.

Also täuschten sich Sinapius, Kneschke und Ledebur. Aber auch das 1545er Wappen scheint ja nicht richtig zu sein. Denn es gehört offensichtlich nach Bayern. In einer schlesischen Handschrift aus dem 17. Jhd. fand ich nun vermutlich das richtige Wappen der 1545er Goldbach. Dieses Wappen und das der im 13./14. Jhd. in Thüringen vorkommenden Familie stelle ich hier nebeneinander.

Bild

Der Schwan mit goldenem Strom könnte in dem angeblichen Diplom von 1545 angefügt worden sein.

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Gerd H.z.B.
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Gerd H.z.B. » 27.01.2018, 11:40

Kleinschmid hat geschrieben:Während Siebmacher den 1545er Goldbach das Wappen: '1. u. 4. Q. im blauen Feld ein schräglinker silberner Strom. 2. u. 4. Q. über einem dreihügeligen Berge im rothen F. eine Sonne' zuweist.


Das Wappen ist ebenfalls im ÖStA für Goldbach, Johann Georg, Kanzleidirektor des Reichserbtruchsessen Grafen Wolfsegg-Waldsee, Georg Heinrich, JULic., Georg Wilhelm, Brüder, bei der Erhebung in den Ritterstand als "von Goldbach" am 1.5.1707.

http://archivinformationssystem.at/detail.aspx?id=2355820

Bei den Farben der Felder 2 und 3 sowie bei Decken und Zier die Buchstaben zu den Farben beachten da die Colorierung falsch angefertigt wurde.

Jetzt erst gesehen: Kurt hatte es ja weiter oben schon erwähnt.
Mit Grüssen Gerd
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kalex1946
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon kalex1946 » 27.01.2018, 13:41

Naja, und was für ein Wappen wurde den 1707 geadelten Goldbachs verliehen? Da muß man wohl in ÖstA Wien eine Kopie das Wappenbriefs anfordern oder gibt es irgendwo Im Internet überhaupt Kopien von Wappenbriefen online zu finden?

@ Kleinschmid

Ihre Funde bewundern mich immer. Wo findet man so eine schlesische Handschrift aus dem 17. Jahrhundert? Ich wüßte nicht einmal, wo ich anfangen sollte, möchte aber lernen.

Gruß aus South Carolina

Kurt

Kleinschmid
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kleinschmid » 27.01.2018, 13:47

Gerd H.z.B. hat geschrieben:Jetzt erst gesehen: Kurt hatte es ja weiter oben schon erwähnt.

Genau, den Hinweis hatten wir bereits oben gehabt. Hier ist der Link zum entspr. Siebmacher-Eintrag-Bayern:
https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PP ... 5B60%5D%7D
Dieses viergeteilte Wappen gehört also nach Bayern, wurde aber von Ledebur in seinem Adelslexicon den schlesischen Goldbach (1545) zugeordnet.

Was uns fehlt, ist demnach das richtige 1545er Wappen. Und ich vermute eben, daß es sich dabei um das aus o.g. Handschrift handelt.

Kleinschmid
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Re: Goldbach von Sulittaborn

Beitragvon Kleinschmid » 27.01.2018, 22:27

kalex1946 hat geschrieben:... was für ein Wappen wurde den 1707 geadelten Goldbachs verliehen?

Nein, das ist ein Mißverständnis - das ich mitverschuldet habe ...

Die 1707er Goldbach waren die aus Bayern und die erhielten - siehe den Eintrag aus dem Wiener Archiv - das viergeteilte Wappen.

Wir haben (von 'hinten'):

Goldbach aus Bayern, 1707 geadelt, Wappen viergeteilt.

Goldbach aus Jauer, später in Breslau, 1671 geadelt, 1698 Ritterstand, Wappen mit Anker + Mohr.

Goldbach im Fürstentum Breslau u. Oels, angebl. (nach Ledebur) 1545 geadelt, Wappen nicht sicher überliefert.

Goldbach in Thüringen, 13./14. Jhd. nachgewiesen, Wappen mit 3 Lilien.

Das von mir gefundene Goldbach-Wappen stammt aus der 'Wappensammlung der bekanntesten und besonders Schlesischer Geschlechter, aus dem Ende des 17. Jhd.' [Handschriftsammlung der Landesbibliothek Hannover].


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