von Zeska

Ihre Fragen zur Heraldik sind hier willkommen
Your questions concerning heraldry are welcome here

Moderatoren: Markus, Christian Ader

Kleinschmid
Mitglied
Beiträge: 324
Registriert: 28.02.2010, 19:08

Re: von Zeska

Beitragvon Kleinschmid » 25.06.2017, 13:41

Leider komme ich mit dem dänischen Archivsystem nicht zurecht. Vermutlich läßt sich ein solcher Vorgang aus dem Ende des 18. Jhd. betref. der Aufnahme in die dänische Armee sowie des Offz.-Patents aber noch nachvollziehen. Übrigens gibt es eine Akte 'Zeska' im GStA Berlin, Heroldsamt, Repositur 176, 'Überprüfung der Adelsqualität'. Die Entscheidung des Amtes im Hinblick auf diese 'Mittheilung aus Kopenhagen' wäre sehr interessant. Bleibt noch die Frage nach dem Wappen. Schwer vorstellbar, daß die bürgerlichen Offziere neben dem 'von' zwar keine adligen Privilegien erhielten, aber dafür dann noch ein Wappen.

Benutzeravatar
kalex1946
Mitglied
Beiträge: 175
Registriert: 23.08.2016, 16:41

Re: von Zeska

Beitragvon kalex1946 » 26.06.2017, 01:44

Auch hier https://archive.org/details/bub_gb_POMsAAAAYAAJ 2 Einträge zu Zeska (Schleswig.Holsteinischer Adel) mit Wappen (schwarz-weiß) auf Tafel 18, S. 414-498.

Gruß aus South Carolina (wo wir ein kleines Städtchen namens Denmark haben)

Kurt


Kleinschmid
Mitglied
Beiträge: 324
Registriert: 28.02.2010, 19:08

Re: von Zeska

Beitragvon Kleinschmid » 26.06.2017, 08:48

Herr Hruška, besten Dank für Ihre Nachricht!

Dann können wir die Geschichte wie folgt zusammenfassen:
Der aus Liegnitz in Schlesien stammende Karl wurde 1790 als dänischer Unterleutnant erwähnt. Somit versteckt sich hinter dem von der Familie gegenüber dem Dt. Adelsarchiv angegebenen dän. Indigenat aus dem Jahr 1787 in Wirklichkeit das Offizierpatent mit der Genehmigung sich 'von Zeska' nennen zu dürfen. Dessen Sohn Friedrich Wilhelm war mittellos, läßt sich auch nicht im dän. Offz.-Korps nachweisen, so daß er seinen Sohn Anton Lebrecht im Alter von einem Jahr bereits zu dessen Großvater - dem Kom. v. Helgoland - gab. Anton trat mit 14 Jahren dem dän. Militär bei u. wurde 1820 Unterleutnant (mit der Genehmigung sich 'v. Zeska' nennen zu dürfen). Dessen Sohn Friedrich dann ebenso 1842 als Unterleutnant beim 15. Inf-Btl. zu Rendsburg. Dessen Sohn war der am 31.10.1862 in Hamburg geborene u. spätere Schauspieler Karl. Der dann eigentlich nur als Karl Bernhard Zeska im Kirchenbuch erscheinen dürfte. Dieser erhielt schließlich - obwohl keiner seiner Vorfahren zum Adel gehörte - am 12.12.1908 die österreichische Adelsanerkennung.

Benutzeravatar
Gerd H.z.B.
Mitglied
Beiträge: 683
Registriert: 01.08.2013, 16:24
Wohnort: Sachsen / Böhmen
Kontaktdaten:

Re: von Zeska

Beitragvon Gerd H.z.B. » 26.06.2017, 09:42

Danke nochmal für die Zusammenfassung Herr Kleinschmid.

Was die Wappenabbildungen betrifft so sind diese bekannt. Es ging vielmehr darum wie es zu dem Wappen kam da ja kein Adelsdiplom existiert ausser die spätere Adelsanerkennung von 1908 in Österreich. Dort wird das Wappen wie folgt beschrieben:

in Silber ein schwarzer rotbewehrter wachsamer Kranich in natürlichem Wasser stehend, Decken rechts blau-silbern und links schwarz-silbern, auf dem Helm ein aus der Schulter wachsender geharnischter Arm mit bloßer Hand
Mit Grüßen Gerd
Wer die großen historischen Symbole verloren hat, vor dem gähnt das Nichts. (Carl Gustav Jung)
Gerd Hruška - heraldisches und unheraldisches

Benutzeravatar
Gerd H.z.B.
Mitglied
Beiträge: 683
Registriert: 01.08.2013, 16:24
Wohnort: Sachsen / Böhmen
Kontaktdaten:

von Zeska

Beitragvon Gerd H.z.B. » 27.06.2017, 12:40

Hier ist nun das Wappen von Karl Edler von Zeska wie es im von Herrn von Roy erwähnten Artikel von Hanns Jäger-Sunstenau, Die Wappen nobilitierter Künstler in Wien 1848 bis 1918, in: „Der Herold – Vierteljahrsschrift für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften“, herausgegeben vom Verein HEROLD, N.F. 31, Berlin 1988, S. 127, beschrieben wird.

Bild
Mit Grüßen Gerd
Wer die großen historischen Symbole verloren hat, vor dem gähnt das Nichts. (Carl Gustav Jung)
Gerd Hruška - heraldisches und unheraldisches

Benutzeravatar
Tejas552
Mitglied
Beiträge: 290
Registriert: 30.05.2016, 14:04

Re: von Zeska

Beitragvon Tejas552 » 10.07.2017, 08:49

Kleinschmid hat geschrieben:
Joachim v. Roy hat geschrieben:...Dänisches I n d i g e n a t (!)...
FridericusRex hat geschrieben:... Karl Johann von Zeska (*1743 in Liegnitz [in Schlesien]...

Da muß ich an Maximilian Gritzner denken, der 1888 im Dt. Herold schrieb: "Schlesien ist, wie Livland u. Kurland, merkwürdiger Weise die terra amata der genealogischen 'unsicheren Kantonisten'. Wenn ein Geschlecht gar keine Beweise des vorgeblichen Adels vorzubringen vermag, so behauptet es gewöhnlich, aus einem diesen Ländern herzustammen."



An dieser Stelle verweise ich gern auf die Übersetzung und Kommentierung des russischen Ständerechts durch meinen Urururgrossvater Hermann Faltin.

https://books.google.ch/books/about/Das ... edir_esc=y

Er hat diese Übersetzung angefertigt, weil Mitte des 19. Jh. einige Verwirrung in Kurland und Livland darüber bestand wem wann welcher Adelsrang zustand. Auslöser dieser Unsicherheit war womöglich die Tatsache, dass es bei der russischen Adelsverleihung einen gewissen Automatismus gab, den es anderswo nicht gab. Wer in Russland (damit auch Kurland und Livland) einen gewissen zivilen oder militärischen Rang erreichte erhielt automatisch den persönlichen bzw. den erblichen Adelsstand (Dienstadel). Mit diesen Rängen wurde man zum "Dvoriyanin"= Adliger (von dvor = Hof), also jemand der bei Hofe zugelassen ist, der hoffähig ist.

Falls über mehrere Generationen diese Ränge nicht mehr erreicht wurden, konnte der erbliche Adelsstand unter Umständen (und wohl eher theoretisch) in Verlust geraten. Die Familie war dann also nicht mehr hoffähig. Der Dienstadel sollte an den Dienst am Kaiser/Staat gebunden sein. Dem steht die westeuropäische Sichtweise gegenüber, wonach der Adelsrang grundsätzlich für immer gilt.

Gruss
Dirk


PS Ich kann dazu noch eine kleine Anekdote beisteuern, die das Problem verdeutlicht. Nach 1610 ging ein gewisser Wilhelm Faltin aus Ostpreussen (Verwandtschaft zu mir nicht nachweisbar) wohl im Zuge der polnischen Eroberungen in Russland nach Smolensk. Dort erwarb er umfangreiche Güter mit Leibeigenen. Er wurde in der Schlachta (Adelsvereinigung) von Belsk immatrikuliert. Nach Abzug der Polen blieb er im Land, liess sich orthodox taufen und hiess fortan Dmitry Vilhelmovich Faltin. Seine Söhne Boris und Ivan begründeten zunächst zwei Linien und die Söhne von Boris, namens Vassily und Gerassim nochmals zwei Linien von Faltins die in den Schlachtas von Belsk und Smolensk Dienst taten. Die Güter wurden unter den Kindern aufgeteilt, neue kamen nicht hinzu. Der Wohlstand der Familien sank rapide. Anfang des 19. Jh. wollten dann einige Nachkommen in den Staatsdienst, wozu eine adlige Abstammung Voraussetzung war. Erst nach langen Prüfungen wurde der adlige Stand der Nachkommen dann bestätigt, nachdem sie beweisen konnten dass ihre Ahnen den jeweiligen Kaisern bei bestimmten militärischen Mobilmachungen im 18. Jh. zur Verfügung gestanden haben, also dem Aufruf gefolgt sind, oder aus Altersgründen nicht folgen konnten.
Ausschlaggebend für die Adelsbestätigung war der Dienst oder die dauerhafte Dienstbereitschaft, nicht aber die Abstammung per se.

Mehr Informationen gibt es hier:
https://www.faltin-ahnenforschung.com/smolensk/
„Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft, wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen“ (Maler und Architekt Friedrich Hundertwasser)


Zurück zu „Heraldik-Forum“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste