Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

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taue2512
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Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von taue2512 » 15.11.2016, 23:27

Hallo zusammen in die Runde,

ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Geschichte unserer Familie, der Stammbaum gehrt zurück durch angeheiratete Linie nachweislich bis ins Jahr 1490. Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Wappen zu unserem Familiennamen gestoßen.

Ich konnte leider bislang noch nicht allzuviel zu diesem Wappen in Erfahrung bringen. Es handelt sich im Original um eine historische Handzeichnung auf grobem Büttenpapier im Format 3x4 cm, handcoloriert.
WAPPEN-TAUER.jpg
WAPPEN-TAUER.jpg (59.88 KiB) 4901 mal betrachtet
Ritterhelm, blau. Gehörnt mit zwei lyraförmigen Hörnern (an der Spitze "abgeplättet"). Federschmuck links in weiss, rechts rot. Schild mit drei Hahnenköpfen in schwarz/rot nach links blickend. Auffällig sind die drei kleinen Insignien "VW" auf goldgefasstem Schild, linker Feder und linkem Horn, für was stehen diese?

Der Hahn steht ja wohl für Kampfeslust...und von da ab stehe ich auf dem Schlauch. Habt Ihr weitere Interpretationen. Geografisch kommt meine Seite wohl aus der Gegend um Ruhla/Thüringen.

Ich bedanke mich im Voraus für jeden Hinweis.

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Gerd H.
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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Gerd H. » 16.11.2016, 01:34

Hallo,

um das Ganze mal in heraldischer Art zu beschreiben:

In Silber drei schwarze Hahnenrümpfe (2,1) mit rotem Kamm und Lappen und silbernem Schnabel;
auf dem Turnierhelm mit rechts schwarz-silbernen und links schwarz-roten Decken zwei offene Büffelhörner, rechts silbern und links schwarz

Der Helm hat keine Bedeutung ob adlig oder bürgerlich und ist aus Metall. Farbe wird keine dabei angegeben.
Der "Federschmuck" sind die Helmdecken und die kleinen w bedeuten nur das die Farbe dort Weiss bzw. Silber ist.

Wenn nichts weiter überliefert ist zur Symbolbeschreibung durch den Stifter des Wappens ist alles andere nur reine Spekulation. Es sei denn es deutet offensichtlich auf den Namen hin (z.B. ein Mühlstein für Müller).

Ich denke mal das es sich um eine leicht farblich geänderte Version des Wappens der Tauer aus Schlesien handelt. Siehe hier im Siebmacher Wappenbuch:

http://www.wappenbuch.de/pages/wappen_68_Siebmacher.htm
Zuletzt geändert von Gerd H. am 16.11.2016, 02:12, insgesamt 1-mal geändert.
Mit besten Grüssen
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Gerd

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Gerd H.
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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Gerd H. » 16.11.2016, 02:04

Laut Adelslexikon ist das Geschlecht der von Tauer im 19.Jh. mit Johann Joseph von Tauer, Leutnant im Regiment Prinz Heinrich und später Postmeister zu Friedeberg in der Neumark, erloschen.
Mit besten Grüssen
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Gerd

Joachim v. Roy
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Wappenklau

Beitrag von Joachim v. Roy » 16.11.2016, 12:17

In dieser, nicht-kolorierten Ausgabe des Siebmacher'schen Wappenbuchs vom Jahre 1605 ist zu erkennen, daß das vordere Büffelhorn silbern (w = weiß), das hintere schwarz tingiert sein müßte:
http://www.wappenbuch.com/imagesA/A068.jpg

Die alte schlesische Adelsfamilie VON TAUER ist in der Tat e r l o s c h e n . Sie wird deshalb auch nicht mehr in dem modernen, vom Deutschen Adelsarchiv herausgegebenen „Adelslexikon“ (Bände XIV [Buchstaben Stae-Tra] und XVII [Nachträge], Limburg a.d. Lahn 2003 u. 2008) genannt. Das Wappen der Familie VON TAUER kann deshalb heute n i c h t mehr geführt werden.

MfG

Kleinschmid
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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Kleinschmid » 16.11.2016, 14:45

Gerd H.z.B. hat geschrieben:Laut Adelslexikon ...
Mit dem Ledebur (= Adelslexikon) hat man betref. Schlesien meist wenig Freude. Der darin als "Letzter" genannte Johann Josef v. Tauer trat als Fähnrich 14.12.1760 ins Rgt. Prinz Heinrich (IR 35 ap), war meist "kränklich" und wurde als invalider Sek.-Ltn. bereits 4.7.1769 entlassen, erhielt 12.11.1775 die Stelle als Postmeister in Friedeberg/Neumark, 3.8.1809 zum 50jährigen Dienstjubiläum den Charakter eines Majors verliehen und starb 6.5.1819. Da gab es aber min. noch einen späteren:
Die zum schlesischen Uradel und aus dem Fürstentum Glogau (dort mehrere Ortschaften Tauer u. ä.) stammende Familie schrieb sich auch Tawer, Tuwre, ... und eben oftmals auch Thauer. Karl v. Thauer wurde 1788 Sek.-Ltn. im Füsilierbataillon v. Lieberoth (FB 4 ap). 1800 Prm.-Ltn., 1809 St.-Cap., kam schließlich über die Landwehr 1816 zur Gendarmerie, wo er 15.8.1818 Major und 30.12.1820 entlassen wurde. Er verstarb 16.2.1827 in Sohrau / Oberschlesien. Er hatte 30.5.1814 in Gieraltowitz (Krs. Tost-Gleiwitz) Lisette Zawadsky (To. d. Rudolph Z.) geheiratet. Sie starb 17.1.1848 in Loslau / Oberschlesien.
Ein erhaltenes Grabmal/Epitaph mit Wappen der Familie v. T(h)auer in Schlesien ist mir nicht bekannt (womöglich für Ernst v. T. + 1595 zu Rostersdorf, aber die dortige Kirche 'verschwand' nach 1945).

wrangler
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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von wrangler » 16.11.2016, 15:52

Zur Symbolik!

"In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen."

3x Hahn, Symbol für Wachsamkeit, Glaubenstreue. Im katholischen Schlesien kennt man
noch heute die Symbolik des Hahns.

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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Tejas552 » 16.11.2016, 16:31

Interessant, in dem Zusammenhang stehen womöglich auch die Hörner (Signalhörner eines Wächters?) auf dem Helm.
Hier noch ein interessanter Link zur Familie Rothkirch, in dem auch die Tauer erwähnt werden. Offenbar wird aufgrund der Wappenähnlichkeit eine enge verwandtschaftliche Beziehung zwischen den Rothkirchs und den Tauern angenommen. Ein Friedrich v. Rothkirch arbeitete im 19. Jh. offenbar sogar unter dem Pseudonym Friedrich v. Tauer.

http://vonrothkirch.de/vonrothkirch/?page_id=2


Gruss
Dirk

Joachim v. Roy
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3 Hahnenköpfe / 3 Adlerköpfe

Beitrag von Joachim v. Roy » 16.11.2016, 17:54

Die Grafen und Freiherren v. Rothkirch führen 3 gekrönte A d l e r k ö p f e im Wappen (keine Hahnenköpfe). Die Annahme, daß sich das Geschlecht von den Herzögen von Meran, „Grafen“ von T a u e r, herleitet, ist eine längst zu den Akten gelegte Legende !!

MfG

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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Tejas552 » 16.11.2016, 18:04

Mir scheint dass auch nicht sehr wahrscheinlich, aber auf der Webseite des Familienverbands v. Rothkirch wird dieser Legende viel Raum gegeben. So hat offenbar eine v. Rothkirch Familie in Schweden tatsächlich 3 Hahnenköpfe im Wappen geführt - wenn auch wohl versehentlich.

Beim Familienverband heisst es:
"Von ähnlichen Wappenbildern finden wir drei schwarze Hahnenköpfe mit Kämmen, aber ungekrönt, im Wappen der Tauer (altes schlesisches Geschlecht, lange erloschen), das Wappen ähnelt augenfällig dem unsrigen. Es liegt aber ein guter Grund vor, anzunehmen, dass beide Wappen ursprünglich und bis ins 17. Jahrhundert völlig übereinstimmten (…) "

Offenbar nimmt man an, dass bis ins 17. Jh. die Wappen Rothkirch und Tauer "völlig übereinstimmten".

Gruss
Dirk

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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von taue2512 » 16.11.2016, 19:07

Vielen lieben Dank an die zahlreichen Experten für die Aufklärung und Präzisierung!

Ich konnte in der Tat im Stammbaum eine Linie zu den genannten Familiennamen entdecken und werde dies zeitnah abklären und ggfs. weiter verifizieren - ich habe dazu auch einen Termin im Bundesarchiv in Berlin ausgemacht, da dort wohl Akten über einen Kriegsgerichtsprozess vorliegen (sollen). Von diesem erhoffe ich mir weitere Hinweise zur Abklärung der Personalien...

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Re: Kleine Fragen zu Hähnen, Farben und Schild (mit Bild)

Beitrag von Tejas552 » 16.11.2016, 19:28

Allerdings heisst es auf der Webseite des Familienverbandes v. Rothkirch auch, dass die schlesische Familie Tauer (mit dem 3 Hahnenköpfen im Wappen) "schon lange erloschen ist". Ich fürchte daher, dass dieses Wappen nicht ihrer Familie gehört.

Gruss
Dirk

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Re: 3 Hahnenköpfe / 3 Adlerköpfe

Beitrag von Kleinschmid » 17.11.2016, 08:08

Joachim v. Roy hat geschrieben:Die Grafen und Freiherren v. Rothkirch führen 3 gekrönte A d l e r k ö p f e im Wappen (keine Hahnenköpfe).
Eine (die?) frühe bildliche Darstellung des 3 Adler-Wappens der Rothkirch in Schlesien zeigt die Hedwigstafel in der St. Bernhardin-Kirche zu Breslau aus dem 1. Drittel des 15. Jahrhunderts. Das erste erhaltene Siegel stammt aus dem Jahr 1274 und wurde von Heinrich Vogt zu Schweidnitz genutzt.

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