Frage zum Wappenbezug

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Hoshi
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Frage zum Wappenbezug

Beitrag von Hoshi » 20.08.2006, 21:20

Hallo zusammen

Ich habe mich in letzter Zeit mal wieder mit der Erforschung meiner Ahnen beschäftigt.Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, gelangt man auch unweigerlich zur Heraldik. Tja, und hier bin ich :D

Den Wunsch ein eigenes Familienwappen zu stiften habe ich schon,aber noch ein paar Fragen dazu.

In dem Stammbaum den ich von meinem Vater bekommen habe ist als ältesteste männliche Person mein Ur-UrGroßvater eingetragen.Doch außer seinem Namen und dem der Ehefrau sind keine Informationen vorhanden.Das gleiche gilt für meinen Urgroßvater.Wobei hier wenigstens der Geburtsort angegeben ist,den ich aber so nicht entziffern kann.
Laut meinem Vater kam einer von den beiden direkt aus Wien,wer das war weiß er aber nicht,weil nie etwas erzählt wurde. Eine Nachforschung würde ich gerne machen,aber ich halte den finanziellen Aufwand für sehr hoch.Auch "mal eben" nach Österreich fahren ist bei mir nicht drin.

Das einzige was ich komplett habe sind die Daten meines Großvaters.
Nun komme ich,bevor ich euch hier weiter langweile,mal zum Bezug des Wappens.
Da ich halt nicht weiß,was die Generationen vor meinem Großvater beruflich gemacht haben,kann ich daraufhin im Wappen auch keinen Bezug nehmen. Sollte ich deshalb Bezug auf die Berufe meines Großvaters(Schuster),meines Vaters(Maurer) und/oder meinen(Koch) nehmen?Die Herkunft meiner Vorfahren ist aber,wie schon geschrieben,Österreich.Ich selber,als auch mein Vater fühlen sich damit aber nicht wirklich verbunden oder sonst etwas.Wohlaber mit meinem Großvater.

Was raten mir also die erfahrenen Heraldiker hier? Wie sollte ich vorgehen? Achja, falls es interessiert: der Familienname ist "Grill"

Es gibt auch ein Wappen der Familie Grill,aber die stammt aus der Schweiz,und ich denke nicht das da eine Verbindung besteht.

So, jetzt habe ich einen ellenlangen Text geschrieben,was ich eigentlich gar nicht vorhatte.Ich hoffe aber trotzdem auf eine Antwort

mfg

Hoshi

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Jochen
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Beitrag von Jochen » 20.08.2006, 21:35

Also - ich würde den ganzen Kram mit Bezug auf die Berufe oder Herkunft der Vorväter "sausen lassen".

Dabei kommen nach aller Erfahrung doch nur stereotype Wappenentwürfe heraus....

Grill - das ist ein Name der sich wunderbar für ein redendes Wappen eignet, beispielsweise als Schildfigur oder Helmzier eine Grille.

Vermutlich wäre die Grille zu kombinieren mit anderen heraldischen Figuren, um sich von ggfs. bereits bestehenden Grillenwappen zu unterscheiden.

Auch ein "Grill" (also wie das sommerliche Röstgerät) würde sich natürlich bestens eignen - wenn Sie diesen Rückbezug leiden mögen, versteht sich.

Durchaus respektabel als "Laurentiusrost" ist ja das Marterwerkzeug des hl. Lorenz.
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Beitrag von Hoshi » 20.08.2006, 21:53

Das ging ja mal fix.danke für die schnelle Antwort
Jochen hat geschrieben:Also - ich würde den ganzen Kram mit Bezug auf die Berufe oder Herkunft der Vorväter "sausen lassen".
Das hatte ich mir auch schon überlegt,da ja nicht wirklich ein starke Verbundenheit vorhanden ist.


Auch ein "Grill" (also wie das sommerliche Röstgerät) würde sich natürlich bestens eignen - wenn Sie diesen Rückbezug leiden mögen, versteht sich.
Diesen Gedankengang hatte ich zwar auch schonmal.Ich habe da aber eher bedenken,das es dann an ernsthaftigkeit fehlen würde und mehr als Spaß aufgefasst wird.
Nebenbei, wir können ruhig beim "Du" bleiben.Ist mir angenehmer und wirkt nicht so steif :)

Durchaus respektabel als "Laurentiusrost" ist ja das Marterwerkzeug des hl. Lorenz.
Damit könnte ich mich schon anfreunden.Das ist, so denke ich mal ein Anfangspunkt.

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Jochen
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Beitrag von Jochen » 20.08.2006, 22:04

Also - Du würdest Dich wundern, was es alles an Schildfiguren gibt, denen - scheinbar - die Ernsthaftigkeit fehlt....

Knoblauchknollen (Familie Knobloch), Rüben (Familie Ruber), Hodensäcke (ja, wirklich! Die italienische Adelsfamilie Colleoni ("coglioni" = ital. "Hoden")führt drei Hodensäcke im Wappen). Und davon gibt es vieles mehr.

Ein schönes Beispiel für den Laurentiusrost findest Du im Wappen Wuppertals (eigentlich W'tal-Elberfelds) :

Bild
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

Hoshi
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Beitrag von Hoshi » 20.08.2006, 22:26

Das sieht ja schonmal schön aus,das nehm ich :lol: Ne, war Spass.

Da werd ich mir wohl nochmal mehr Gedanken dazu machen.
Vielleicht kommt ja noch die ein oder andere Anregung dazu.

Da werd ich mal auf die suche gehen.......

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Markus
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Beitrag von Markus » 21.08.2006, 06:49

Sie könnten als Reminiszens an Österreich, das Wappen in rot-silber halten, den heutigen Nationalfarben.
Vielleicht könnte Herr Pfeiffer mal nachsehen, wieviele Wappen es mit einer Grille im Siebmacher gibt, oder mit einem Grill?
Heraldische Grüße
Markus

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Frank J. Reuther
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Beitrag von Frank J. Reuther » 21.08.2006, 10:00

Man kann sich zwar auch ohne Mannesstamm ein Wappen machen lassen, sollte aus meiner Sicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln jedoch diesen erst gründlich erforschen. Sicher muss man auch nicht selbst nach Wien fahren, um Standesurkunden und Auszüge aus Kirchenbüchern zu bekommen.
Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Hoshi » 21.08.2006, 16:09

Frank J. Reuther hat geschrieben:sollte aus meiner Sicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln jedoch diesen erst gründlich erforschen.

Das stimmt sicherlich.Doch was nützt es mir,wen ich nur den Namen meines Ururgroßvaters habe und sonst nichts.Es ist ja noch nichtmal sicher das er überhaupt aus Wien kam. Wen sollte ich denn da anschreiben mit diesen Infos?

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Frank J. Reuther
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Beitrag von Frank J. Reuther » 21.08.2006, 16:42

Es kommt darauf an, wann er verstorben ist. Dann findet sich bei dem entsprechenden Standesamt oder Pfarramt ein Eintrag im Sterbebuch mit dem Hinweis auf den Geburtsort. Ich selbst habe mir auf diese Art und Weise sämtliche Einträge von Standesämtern und Pfarrämtern als beglaubigte Abschrift geholt und bin so bis 1570 zurückgekommen. Ich glaube jede Wappenrolle fragt beim Eintrag nach dem ältesten Ahn im Mannesstamm. Da sollte dann wirklich der drin stehen, der tatsächlich zu ermitteln war. Das Stammbuch im Hause reicht da sicher nicht.
Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Hoshi » 21.08.2006, 18:58

Frank J. Reuther hat geschrieben:Es kommt darauf an, wann er verstorben ist. Dann findet sich bei dem entsprechenden Standesamt oder Pfarramt ein Eintrag im Sterbebuch mit dem Hinweis auf den Geburtsort.
Mit solchen Infos könnte man etwas Anfangen.
Ich schrieb aber:
Doch was nützt es mir,wen ich nur den Namen meines Ururgroßvaters habe und sonst nichts.
Und jetzt?

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Markus
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Beitrag von Markus » 21.08.2006, 19:28

So nützlich es sein kann Ahnenforschung zu betreiben, sie ist für die Stiftung eines Wappens nicht unbedingt heilsnotwendig. Manche kommen dabei tatsächlich bis 1570 oder noch weiter zurück, allerdings ist das oft eine Arbeit von Jahren und Jahrzehnten. Meistens wird kein Wappen gefunden. Es kommt nun darauf an, wo Sie Schwerpunkte Ihrer Arbeit setzen wollen.
Heraldische Grüße
Markus

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Beitrag von Frank J. Reuther » 21.08.2006, 19:58

Ich kann natürlich gut reden, weil ich die Sache hinter mir habe. Die Ahnen hatten eine echte sog. Stammheimat. Über Jahrhunderte sind alle auf einem Fleck geblieben. Dadurch konnte ich allerdings auch entsprechende heimatbezogene Elemente in das Wappen einbauen.

Wer sein Wappen schneller haben will und einfach nur den Familiennamen redend darstellen will, ist natürlich nicht zwingend auf Ahnenforschung angewiesen. Allerdings bin ich erstaunt, dass es in Deutschland nach dem Telefonbuch mehr Grill's als Reuther's gibt.
Mit freundlichen Grüßen
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Re: Frage zum Wappenbezug

Beitrag von Frank J. Reuther » 21.08.2006, 20:02

Hoshi hat geschrieben:In dem Stammbaum den ich von meinem Vater bekommen habe ist als ältesteste männliche Person mein Ur-UrGroßvater eingetragen.Doch außer seinem Namen und dem der Ehefrau sind keine Informationen vorhanden.Das gleiche gilt für meinen Urgroßvater.Wobei hier wenigstens der Geburtsort angegeben ist,den ich aber so nicht entziffern kann.
Diese Ausrede gilt nicht. Die Daten von Vater und Großvater werden ja wohl bekannt sein. Den Rest bekommt man von Standes- und Pfarrämtern, auch wenn es dieses Stammbuch gar nicht geben würde.
Mit freundlichen Grüßen
Frank J. Reuther, MdH
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Beitrag von münchnerherold » 21.08.2006, 20:08

Kann mir einmal einer erklären warum
der im Moment bekannte Vorfahre zu
einer Wappenerstellung nicht reicht ?
Muss man immer noch einen nicht
bekannten Vorfahren ausgraben?
Herr Theising hat recht, zu einer
Wappenerstellung ist überhaupt keine
Ahnenforschung zwingend vorgeschrieben.
Freundliche Grüsse, Kurzmeier MH.
PS. Im übrigen schreiben alle mir bekannten
Wappenrollen, ohne Kontrolle, den jeweils
angegebenen ältesten Vorfahren einfach ab.
Sagen was man denkt, machen was man sagt.

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COMP GEN
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Claus J.Billet
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schmunzel...

Beitrag von Claus J.Billet » 21.08.2006, 21:02

Schon richtig, wie Herr Theising und Herr Kurzmeier schreiben.
Zu einer Wappensschöpfung sind nicht unbedingt die Vorfahren zwingend nötig.

Zitat:
Da ich halt nicht weiß,was die Generationen vor meinem Großvater beruflich gemacht haben,kann ich daraufhin im Wappen auch keinen Bezug nehmen. Sollte ich deshalb Bezug auf die Berufe meines Großvaters(Schuster),meines Vaters(Maurer) und/oder meinen(Koch) nehmen?Die Herkunft meiner Vorfahren ist aber,wie schon geschrieben,Österreich.Ich selber,als auch mein Vater fühlen sich damit aber nicht wirklich verbunden oder sonst etwas.Wohlaber mit meinem Großvater.

Allerdings hatte der Fragesteller in seiner Eingangsfrage die Frage in Richtung der beruflichen Tätigkeiten der Vorfahren gestellt. Daher wohl auch die entsprechenden Antworten, die dann mehr in Richtung Ahnenforschung gehen. :lol:
Eines kommt zum anderen :lol:
www.Wappen-Billet.de
M.d.WL.
M.d.MWH.

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