Prag 1648

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Tejas552
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Re: Prag 1648

Beitrag von Tejas552 » 06.05.2022, 08:02

Gerd hat geschrieben:
27.04.2022, 17:59
Franz von Frankhenheimb

.....

Alß mit Namen einen quartirten Schild, dessen untere hintere und obere fordere blau- oder lasurfarb, und aufm Grund eine Weisse Mauer mit ihren Zinnen zu sehen ist, ob welcher jeder ein geharnischter vorwerts sehende oberhalber Mann mit seinen Kasquet zu sehen in der rechten Faust ein zweyschneidiges Schwerdt haltend, das untere fordere und obere hintere Feld ist roth- oder rubinfarb auf denen beeden sich ein vorwärts aufsteigender gekrönter gelber Löw erscheint, mit seinen über den Rucken gewundenen doppelten Schweiff, mit denen fordere beede Branken ein grünes Oelzweig haltend. .....

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Hallo Gerd,

hätten die Löwen im Schild nicht einander zugewand dargestellt werden sollen? Ein "vorwärts aufsteigender gekrönter gelber Löwe" würde ohne Richtungsangabe wie in deiner Zeichnung nach heralidisch rechts gewand dargestellt werden. Im gevierten Wappen hätte ich - gefühlsmässig - den zweiten Löwen unten nach heraldisch links gewendet. Ich weiss nicht was da die Usance ist.
Beste Grüsse
Dirk

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Re: Prag 1648

Beitrag von Tejas552 » 06.05.2022, 08:09

Gerd hat geschrieben:
02.05.2022, 16:11

.... Bei den heftigen Kämpfen um den Kornspeicher nahe der Neustädter Mauer wurde er durch eine Granatenexplosion an Bein und Gesicht so schwer verletzt, dass er lange Zeit fast blind war.



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Saalbuch 59, Fol. 412 - 420
Interessant zu sehen, wie sie die vorübergehende Blindheit des Adelsempfängers in die Helmzier übernommen haben.
Beste Grüsse
Dirk

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Beitrag von Gerd » 06.05.2022, 09:24

Tejas552 hat geschrieben:
06.05.2022, 08:02
Hallo Gerd,

hätten die Löwen im Schild nicht einander zugewand dargestellt werden sollen? Ein "vorwärts aufsteigender gekrönter gelber Löwe" würde ohne Richtungsangabe wie in deiner Zeichnung nach heralidisch rechts gewand dargestellt werden. Im gevierten Wappen hätte ich - gefühlsmässig - den zweiten Löwen unten nach heraldisch links gewendet. Ich weiss nicht was da die Usance ist.
Bei "vorwärts gewandt" hat der Löwe, egal ob im einfachen, gespaltenen oder mehrfeldrigen Schild immer nach vorn bzw. nach rechts zu blicken bzw. zu stehen.

Ich find es auch interessant wie der flache Bogenschnitt bei "Hoßmann v. Manfels" beschrieben wird. Im Siebmacher ist es eine einfache Teilung und der wilde Mann steht auf Rasen und nicht zwischen zwei Felsen. Das dürfte dem geschuldet sein dass dort lediglich eine Beschreibung nach Siegel bekannt war. Daher fehlen da auch die Farben.
Mit besten Grüssen
Gerd
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Re: Prag 1648

Beitrag von Tejas552 » 06.05.2022, 15:50

Gerd hat geschrieben:
06.05.2022, 09:24


Bei "vorwärts gewandt" hat der Löwe, egal ob im einfachen, gespaltenen oder mehrfeldrigen Schild immer nach vorn bzw. nach rechts zu blicken bzw. zu stehen.

...
Ok, das wusste ich nicht.

Interessant ist wie einige dieser Wappen konzipiert wurden: Geviert, in zwei Feldern übreicht der böhmische Löwe einen Lorbeerkranz oder Palmzweig, in den anderen beiden Feldern dann ein individuelles Motiv und dann noch ein Herzschild.

In einem humoristischen Quodlibet von J.S. Bach heisst es im Text "Grosse Herren - grosse Wappen, grosse Fässer - grosse Zappen usw". Es ist klar, dass man im 17. und 18. Jahrhundert grosse Wappen, also Wappen mit vielen Feldern, mit grossen Herren, also dem Adel und Hochadel assozierte. Es sieht ganz so aus also wollte man die Studenten besonders ehren, in dem man ihnen nicht nur fantasievolle Adelsnamen sondern auch "grosse Wappen" verlieh, für die es eigentlich gar keinen Anlass gab.
Beste Grüsse
Dirk

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Beitrag von Gerd » 06.05.2022, 16:18

Hallo Dirk,

da die Staatskassen leer waren, wollte man mit diesen Verleihungen den Verteidigern der Belagerung danken und hat dabei großzügig über einiges hinweggesehen. Als erstes wurde durch Kaiser Ferdinand III. am 20. April 1649 der gesamte Stadtrat der Prager Altstadt und Offiziere der Stadtkompanie geadelt. Am 3. Mai 1649 erfolgte gleiches für den Stadtrat der Prager Neustadt und ebenfalls den Offizieren der Stadtkompanie. Etwas später wurde den Mitgliedern der Studentenlegion erlaubt, welche von freien Eltern abstammten, um eine Nobilitierung anzusuchen. Dazu kamen dann noch Soldaten und Beamte die sich bei der Verteidigung hervorgetan hatten. Es werden also noch jede Menge Wappen von mir hier vorgestellt werden.
Mit besten Grüssen
Gerd
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Beitrag von Gerd » 07.05.2022, 15:58

Hotowetz von Löwenhaus
Hotowetz von Hussenitz und Löwenhaus


Daniel Friedrich Hotovetcius wurde am 7. Februar 1653 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Lewenhaus“ in den böhmischen Vladykenstand erhoben.
Ignatz Paul, Johann Wenzl und Wenzl Podiwin, Brüder Hotowetz von Löwenhauß wurden am 29. August 1709 durch Kaiser Josef I. mit dem erweiterten Prädikat „von Hußenitz und Löwenhauß“ in den alten böhmischen Ritterstand erhoben.
Emanuel Frantz Hotowetz von Hussenitz und Löwenhaus wurde am 13. Februar 1743 durch Königin Maria Theresia in den alten böhmischen Herrenstand mit den Ehrenwörten „Herr“, „Freiherr“ und „Wohlgeboren“ erhoben.
Aus Taus (Domažlice) stammend, hatte Daniel Friedrich seit November 1643 Philosophie in Prag studiert, am 29. Mai 1645 mit dem Bachelor abgeschlossen und am 23. Juli 1647 den Magistergrad erreicht. Während der schwedischen Invasion wurde er Mitglied der Studentenlegion und zeichnete sich mehrfach in ihren Reihen aus. Er war als Kundschafter auf einem Boot auf der Moldau, und einmal, als er nur mit dem Legionstrommler im Einsatz war, wurde er entdeckt und verlor fast sein Leben dabei. Neben Einzeleinsätzen verteidigte Daniel Friedrich die Brücke siebzehn Tage und Nächte lang und nahm an einer Reihe weiterer Scharmützel teil. Als in einem von ihnen ein Corporal der Legion ums Leben kam, wurde der damalige Gefreite Hotovetcius an seine Stelle befördert. Später arbeitete er im Rentamt und starb nach 1673.
Seine Nachkommen waren Ignatz Paul (1668-1736), Ratsherr, Beisitzer und böhmischer Sekretär am Gericht der Markgrafschaft Mähren, Johann Wenzl (+ nach 1717), Kanoniker des St. Veits- und Vyschehrad-Kapitels und Dekan der St. Apoliniakirche in Prag und Wenzl Podowin (+ nach 1709), Juniorjäger auf dem Kammergut Sbirow (Zbiroh).
Ignaz Paul war verheiratet mit Theresia Rosalia von Geißmar, mit der er die Söhne Carl Cajetan (+ nach 1743), Gerichtsschöffe im Fürstentum Oels in Schlesien, und Emanuel Franz (1704 - nach 1764), Gerichtsschöffe in Mähren und später Präsident des Mährischen Landesgerichts in Brünn, hatte.

Blason des Wappens von 1653 wie eingetragen aus dem Tschechischen übersetzt:

Der Schild wird nämlich in zwei gleiche Felder geteilt, die durch eine schräglinke Gehrung getrennt sind, deren unteres rot- oder rubinfarben und das obere schwarz- oder kohlenfarben ist; unten ist eine Stadtmauer, die durch Feuer und Beschuss beschädigt ist, auf der linken Seite steht ein Löwe von gelber oder goldener Farbe nach oben zur rechten Seite, mit einer goldenen Krone, einer herausgestreckten roten Zunge und einem doppelten aufrechten Schwanz, in den Vorderpranken eine Pieke mit rot-weißem Fähnlein schräg haltend, durch diesen Schild fließt in der Mitte der Fluss namens Moldau, auf dem ein Schwan schwimmt; auf dem Schild ist ein offener Ritterhelm mit um ihn flatternden Decken, auf der linken Seite blau- oder lasur-, schwarz- oder kohl- und auf der rechten Seite rot- oder rubin- und gelb oder goldfarben herunter hängen. Darauf sieht man eine goldene königliche Krone, auf dem eine runde blaue oder lasurfarbene Kugel ist, über der mit zwei golden gekrönten Köpfen und ausgestreckten Flügeln mit seinem schwarzem linker Fuß einen Palmzweig haltender Adler ist, welcher mit dem linken Fuß eine goldene Königskrone auf der Kugel hält und mit dem einen Kopf nach links und dem anderen nach rechts blickt.

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Blason des Wappens von 1709 wie eingetragen:

Alß benantlich einen etwas ablänglicht, unter rund formirt und in der Mitten einem Waßerfluß, in welchem ein weißer Schwanen schwimmet, schrebs herab abgetheilten Schildt, deßen obere Theil schwartz- oder kohl-, der untere aber roth- oder rubinfarb und an deßen Grund ein Theil deren von Stuckschüßen verdorbenen Stadtmauer zu sehen ist. Ob diesen Stadt erzeiget sich ein auf hintern Füßen gerad hinauf stehender, zur rechten gewendter, grimmiger, gelb- oder goldtfarber Löw mit aufgerißenen Rachen, roth außgeschlagener Zungen und über den Rucken geschwungenen toppelten Schweiff, eine königliche guldene Cron obhabend und in beeden Prangen eine Piekhe mit roth und Weißen Fähnlein der schreg nach haltend. Ob diesem Schildt stehen zwey gegen einander einwerts gekerte freye offene ritterliche gekrönte Thurniers-Helmben der hintere mit weiß- oder silber- auch schwartz- oder kohl-, der förder aber mit gelb- oder gold- auch roth- oder rubinfarben Helmbdecken geziehret. Ob der hintern Cron sitzen ein mit dem Gesicht zur rechten gewendter weißer Schwahn, hinter welchen zwey schrebs und schregs stehende Fähnlein und zwahr das fordere mit roth- oder rubin-, das hintere aber mit Halb weiß und Halb schwartz-flügenden Taffet zu sehen seyn. Ob der fordern Cron praesentiret sich eine blau- oder lasurfarbe Weldtkugel, worüber ein schwartz- oder kohlfarber röm toppelten Adler mit ausgebreiteten Fliegeln sich schrems schwinget. In der rechten Krahlen einen grünen Palm, in der lincken aber eine königliche goldene Cron haltendt.

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Blason des Wappens von 1743 wie eingetragen:

Als nehm einen etwas ablangen, unter rund zusammenlaufenden, in der Mitte mit einem weisser Fluß, in welchem ein weisser Schwan schwimet von der lincken zur rechten abwärts getheilt, und mit einer freyh Cron gezierten Schild, worvon die obere Feldung schwartz- oder kohlfarb, dahingegen in dem Grund der unteren roth- oder rubinfarben Feldung eine in Brand stehende Stadt mit einem oberhalb zur rechten aufrechts streitenden, gekrönten, gelb- oder goldfarben Löwen mit aufgerissenen Rachen, roth ausgeschlagener Zungen und über sich gewundenem doppelten Schweiff, dann in seinem zweyen Prancken ein roth und weiß außfliegendes Fähnlein halten zu sehen ist. Ob dem Schild stehen zwey gegen einander gekehrte freye offene gecrönte ritter Turniershelm mit ihren anhangenden Kleinodien, zur rechten mit einer roth- oder rubin- dann gelb- oder gold-, zur lincken aber schwartz- oder kohl-, dann weis- oder silberfarben Helmdecken bekleidet. Auf dem vorderem Helm praesentiret sich auf einer blauen Weltkugel ein schwartzer doppelter gecrönter Adler mit ausgebreitheten Flügeln und roth ausgeschlagenen Zungen, in der rechten Krallen einen grünnen Palmzweig, dann in der lincken eine goldene Cron haltend. Auf dem hintern Helm hingegen stehet ein zur rechten gekehrter weisser Schwan, zwischen zweyen ausfliegenden Fähnlein, worvon das vordere roth und das hintere schwartz und weiß ist.

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Saalbuch 32b, Fol. 997v – 1001v
Saalbuch 111, Fol. 766 - 773
Saalbuch 174, Fol. 170v – 176v
Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 10. Abt.:
Der Mährische Adel, Nürnberg 1899,S. 216 (nicht ganz korrekter Blason und Abbildung)
Mit besten Grüssen
Gerd
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Re: Prag 1648

Beitrag von Tejas552 » 07.05.2022, 17:05

Gerd hat geschrieben:
06.05.2022, 16:18
Hallo Dirk,

da die Staatskassen leer waren, wollte man mit diesen Verleihungen den Verteidigern der Belagerung danken und hat dabei großzügig über einiges hinweggesehen. Als erstes wurde durch Kaiser Ferdinand III. am 20. April 1649 der gesamte Stadtrat der Prager Altstadt und Offiziere der Stadtkompanie geadelt. Am 3. Mai 1649 erfolgte gleiches für den Stadtrat der Prager Neustadt und ebenfalls den Offizieren der Stadtkompanie. Etwas später wurde den Mitgliedern der Studentenlegion erlaubt, welche von freien Eltern abstammten, um eine Nobilitierung anzusuchen. Dazu kamen dann noch Soldaten und Beamte die sich bei der Verteidigung hervorgetan hatten.
Ja es gab Perioden und Orte zu denen der Adelserwerb recht einfach war. In Russland wurde im 18. Jh. jeder (noch so geringe) Offizier dem Adel zugerechnet. Erst später wurde die entsprechenden Dienstgrade die für den Adelserwerb erreicht werden mussten heraufgesetzt um der "Adelsflut" Einhalt zu gebieten. Von der Situation in Prag nach dem Dreissigjährigen Krieg hatte ich bis her noch nichts gehört.


Gerd hat geschrieben:
06.05.2022, 16:18
Es werden also noch jede Menge Wappen von mir hier vorgestellt werden.
Darauf freue ich mich!
Beste Grüsse
Dirk

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Beitrag von Gerd » 10.05.2022, 11:41

Jaron von Rosenstein

Simon Peter Jaron wurde am 10. Dezember 1653 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Rosenstein“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.
Er war Jurastudent an der Universität Prag und trat 1648 der Studentenlegion bei, erfüllte unerschrocken alle ihm übertragenen Aufgaben und bewährte sich besonders im Kampf an der Neustädter Mauer.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Alß mit Namen einen blauen Schildt, aus dessen erdigten Grund ein Gerustes durchlöchertes holzernes Blockwerkh, und auf denselben drey nebeneinander gesezte gefochtene Schanzkörbe stehen, über den mittere erzeigt sich ein gelb gekleidter Armb, in der Handt ein Feuer Kugel, woraus die Helle flame scheinnt, haltend, auf dem hintere Schanzkorb stehet eine Piquen mit angehengten rothen fahnlein, und darinn eine weisse Rosen, auf der rechten ein schwarzes mit einer goldenen Rosen und auch guldenen Picken. Ob solchen Schild stehet ein offenes silberfarber Turniershelm, auf der lincken mit schwarz und gelben, auf der rechten aber mit weissen und rothen Helmdecken. Und darob mit einer Königl guldinen Kron gezieret, aus welcher sich zwey mit den Sachsen gegeneinander einwerts gekehrte Adlersflügel erschwingen mit farben also unterschieden, daß des hintern untere Halbe Theil weiß. Und der ober Halbe Theil roth ist, dessen vordern untere Halbe Theil aber ist schwarz, und das obere Theil gelb, in der jede Mitte ein Rosen mit 5 Blättern zu sehen ist, die linke aber gelb und die rechte rothfärbig ist. Zwischen diesen flügeln erzeigt sich auf die rechte Hand gewendter gewafneter Armb, in der auch gewafneten Hand ein Zweyschneidiges zum Streich gerichtes Schwerdt haltend.

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Saalbuch 65, Fol. 90 – 96v
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Beitrag von Gerd » 14.05.2022, 20:31

Das folgende verliehene Wappen hat 2 Helme obwohl es lediglich eine Adelserhebung war. Es soll wohl auch die besonderen Verdienste des Nobilitierten hervorheben.

Kauffer von Sturmwehr

Johann Georg Kauffer wurde am 29. März 1649 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Sturmwehr“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.
Johann Georg Kauffer wurde am 26. Dezember 1616 als Sohn des Johann Georg Kauffer sen. geboren. Sein Vater Johann Georg sen., der seit dem 6. März 1612 mit Elisabeth Dorn verheiratet war, war aller Wahrscheinlichkeit nach aus einem anderen Teil des Reiches ins Königreich Böhmen eingewandert, war als Appelationsrath tätig und führte nach 1616 ein Wappen und das Prädikat „von Arensdorf“. Das Wappen, das nur von einem Siegel vom 13. April 1622 bekannt ist, zeigt im Schild einen Einhornrumpf und in der Zier zwei Büffelhörner. Bekannt ist nicht von wem er beides verliehen bekam. Im Januar 1622 wurde er Mitglied der lichtensteinschen Kommission zur Untersuchung welche Rolle verschiedene böhmische Bürger beim protestantischen Aufstand hatten. 1628 ging er in den Ruhestand und verstarb 1632.
Sein Sohn Johann Georg studierte an der Prager Universität Philosophie und Jura. Zu dieser Zeit zeichnete er sich zum ersten mal aus als er 1639 half Prag gegen den schwedischen Feldherren Banér zu verteidigen. 1641 erreichte er seinen Magistergrad und war 1648 auch der Initiator zur Wiederherstellung der Studentenlegion deren Hauptmann er wurde. Unter seinem Kommando kämpfte die Legion an gefährdeten Orten. Er selbst zeichnete sich am meisten während des großen schwedischen Angriffs am 25. Oktober 1648 aus, als er an der Spitze der Studenten die Neustädter Mauer verteidigte. Er soll 10 schwedische Soldaten mit einem Spaten getötet haben und selbst dann nicht zurück getreten sein als er am linken Arm durch eine feindliche Kugel verwundet wurde. Nach der Belagerung wurde er von Kaiser Ferdinand III. persönlich empfangen und erhielt eine Goldmedaille mit dem Konterfei des Kaisers. Des weiteren wurde ihm am 20. Februar 1649 der Doktortitel des Rechts verliehen und er wurde Appelationsrath. Obwohl er kein Professor war, wurde er 1652 Dekan der juristischen Fakultät, musste aber 1654 dieses Amt niederlegen, da die Appelationsräthe nach Weisung der Appelationskammer nicht gleichzeitig andere Funktionen wahrnehmen dürfen. Er hinterließ mindestens zwei Kinder, die Söhne Johann Franz und Gerhard Franz, welche 1676 das Gut Frymburg bei Königgrätz (Frymburk na Hradecku) besaßen.

Wappen Kauffer von Arensdorf:

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Blason des Wappens von 1649 wie eingetragen:

Als mit Namben einen quartierten Schld, dessen hinter Unterstes und vorder Oberstes Teil weiß- oder silberfarb, in deren jedem blau- oder lasurfarben gebogener Arm, in der Hand eine Partisana mit roter Franzen und zwar die untere der Schärfe oder Spitze zurück gegen der Linken, die fürdere aber gegen der rechten Seiten kehrend, zue sehen ist. Die anderen beiden Feldungen sind gelb- oder goldfarb, in welcher wieder erscheinet ein schwarz ausgeschwungener Flügel und Adlers Waffen, dran jede einen rot- oder rubinfarben halbausgeschwungenen und an seine Stangen hangenden Fahnen (in welcher ein weißer Loew) solcher Gestalt halten tuet, das der gewendet ist. Auf dem Kreuz der Quartierung ist ein schwarzer Herz Schildlein, darein im Grund zuer Rechten ein von Quadersteinen zerfallener Mauer, darüber ein Sturmleiter gelahnt, auf welchem ein gelb- oder goldfarben Greif mit zurückgewundenem Schweif, offenen Rachen und in seiner rechten vorderen Krällen einen brennenden Granaten haltend, die Leiter abreißend, zue sehen ist. Ob diesen Schild stehen zue beiden Seiten zwei freie offene Adeliche Turniershelmb, zuer Rechten mit schwarz- oder kohl- und gelb- oder goldfarbener, zuer Linken aber mit rot- oder rubinfarben und weiß- oder silberfarben Felderchen gezeichnet, auf welchem jedem eine Königliche güldene Kron. Über der zuer Rechten erscheinet ein weiß- oder silberfarber aufrecht stehender und zuer linken Seiten gewendter halber grimmiger Loew, mit zurück über sich ausgeschwungenen doppelten Schweif, offenen Rachen, rot ausgeschlagener Zung, dessen Kopf mit einer guldenen Kron geziert, und in seinen beiden vordern Pranken ein bloßes zweischneidiges Schwert mit einem vergulten Kreiz, über der Achsel zurück haltend. Über der Kron zuer Linken ist ein blau- oder lasurfarbe Kugel, welche zuer Rechten mit einer rot- oder rubin-, zur Linken aber mit weiß- oder silberfarben außegeschwungenen Adlersflügeln, ihr Rachen einwärts kehrend, umgeben ist, ob welcher ein nackende zuer Rechten sehend und aufrecht stehende Jungfrau, in ihrer Rechten ein gemeinen Lorbeer Kranz, in der Linken aber ein weißes ausgeschwungenes Velum, dessen Extremitäten umb die Mitte derselben gewunden, erscheinen tuet.

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Saalbuch 59, Fol. 525 – 538
Matriken Prager Kleinseite, Kirche hl. Thomas
Stadtarchiv Prag, Signatur AMP PGL II - 50
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Beitrag von Gerd » 15.05.2022, 16:46

Kinner von Löwenthurn

Gottfried Alois Kinner wurde am 29. Mai 1652 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Löwenthurn“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.
Er wurde um 1610 in Reichenbach (Dzierźoniów) in Schlesien geboren. Ab November 1644 studierte er an der Philosophischen Fakultät in Prag wo er am 3. Mai 1646 den Bachelor- und am 13. August 1647 den Magistergrad erreichte. Während der schwedischen Belagerung Prags 1648 diente er in der Studentenlegion als Musketier in der siebten Kompanie des Korporal Wunsch und nahm an allen Schlachten teil die auf der Brücke, der Moldau und an der Neustädter Stadtmauer beim Hauptdurchbruch geführt wurden. Nach dem Krieg promovierte er in Theologie. Der Kaiser betraute ihn mit der Erziehung des jungen Erzherzogs Karl Joseph (1649 – 1664). Er war sehr bestürzt über den frühen Tod des Erzherzogs. Einen Freund fand er in dem Jesuitengelehrten Athanasius Kircher (1601 – 1680), mit dem er sich in Briefen zu Kometen, Experimenten, Geometrie und Alchemie über fast zwei Jahrzehnte austauschte.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Mit Nahmben: Einen ablenglichten spiculweiß abgetheilten Schildt, dessen untere oder der spicul ganz roth- oder rubinfarb, und im selbem ein gruenes Hüglein ist, darauf ein weisser Lew fürwets sitzendt zue sehen, in seiner linkhen Brankhen einen Schiff-Anker, in der rechten aber ein blosses Schwerdt mit einem vergulten Kreitz aufrechts haltend. In dem hindtern obern Veldt, so weiß- oder silberfarb, erscheinnet ein ganz rotter Thurm, im dem fordern obern aber, welches gelb- oder goldtfarb, ein halber schwarz- oder kohlfarber Adler sein außgeschwungene Lueg, und Schnabel gegen der rechten Seiten wendendt. Über diesen Schildt stehet ein freyer ofener Adelicher Turniershelmb, zuer linkhen mit roth- oder rubin-, und weiß- oder silberfarben, zuer rechten aber schwarz- oder kohl- und gelb- oder goldtfarben Helmbdeckhen, undt einer Königlichen guldtenen Kron geziehredt, auf welcher zwischen zwaien gegen einander aufgetanen Adlersflügl deren jede schregsweiß von oben hinab in zway theil abgetheillet, die hintere von der rechten zur linkhen, deren das obere weiß- oder silber-, das untere theil aber roth- oder rubinfarb, die fordere Flueg von der linkhen gegen der rechten sethen, dern das obere schwarz- oder koll-, das unthere aber gelb- oder goldtfarb ist, erscheinet abermahlß wie drunter im spicul ein ganz weiß- oder silberfarber Lew fürwerts sitzend, mit über den Ruekhen gewendenen doppelten schweiff, dessen Ein Theil über der linkhen, das obere aber der rechten Achßl herfuergehen thuet, in seiner linken Brankhen einen Schiff-Anker, in der rechten aber ein blosses zwaischnaidigeß Schwerdt mit einem verguldten Kreitz aufrechtß haltendt.

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Saalbuch 63, Fol. 617 - 624v
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Beitrag von Gerd » 17.05.2022, 18:43

Knautt von Fahnenschwung

Christoph Norbert Knautt wurde am 21. Juli 1649 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Fahnenschwung“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.
Christoph Norbert Knautt von Fahnenschwung wurde am 21. Juli 1667 durch Kaiser Leopold I. in den alten böhmischen Ritterstand erhoben.
Er stammte aus einer bürgerlichen Familie aus Böhmisch Aicha (Český Dub). Ab November 1643 studierte er Philosophie an der Universität Prag, erreichte im Mai 1645 den Bachelor- und im Juli 1646 den Magisterabschluss. Gleich nach deren Wiederherstellung trat er der Studentenlegion bei. Zunächst kämpfte er als Musketier, später wurde er zum Gefreiten, dann zum Furier und schließlich zum Führer befördert. Während der Belagerung bewies er seine Tapferkeit, führte eine Kompanie der Legion im Kampf und trat stets als erfahrener Kämpfer auf. Er wurde mehrfach an den Mauern der Neustadt verwundet und einmal von umherfliegenden Steinen zu Boden geworfen. Nach Kriegsende setzte er sein Studium an der Juristischen Fakultät der Prager Universität fort wo er im Juni 1651 die Anwaltslizenz und im Januar 1652 den Doktortitel erhielt. Kurz darauf trat er in den Staatsdienst ein und wurde Staatsanwalt der böhmischen Kammer. An der Prager Universität wurde er 1660 zum Rektor gewählt. In seiner Heimatstadt Böhmisch Aicha ließ er die Kirche zur hl. Dreifaltigkeit restaurieren.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Nemblich einen ganz blau- oder lasurfarben Schildt, auf dessen Grund eine weiße runde Mauer in Form einer Kron mit ihren Zinnen und Schiß-Löchern, von alters lateinisch Corona muralis genannt, darmit man in den Römischen Kriegen diejenige, so sich unter den belägerten in der Stadt sonders wohl verhalten gehabt, zu krönen pflägen, zu sehen, aus deren erstreket sich ein gewafneter rechter Arm, in der Hand eine Fußfahnen mit Strichen haltende, deren untere erste, und vierte Strich gelb- oder goldtfarb, der andere, und fünfte weiß- oder silberfarb, und der dritte, und sechste Strich roth- oder rubinfarb ist, in welchen ein gegen der rechten Handt aufsteigender grümmiger weißer Löw mit vorgeworfenen beedem Pranken, über den Rucken geschwungenen doppelten Schweif, aufgerißenen Rachen, roth ausgeschlagener Zungen, und mit einer königlichen guldenen Kron geziehret zu sehen. Ob solchen Schildt stehet ein freyer adelicher offener Turniers-Helm, auf der linken Seiten mit weiß- oder silberfarb und roth- oder rubinfarben, auf der rechten Handt aber mit schwarz- oder kohlfarb, und gelb- oder goldtfarben Helmdecken und darob einer königlichen guldinen Kron geziehert, aus welcher abermals sich ein weißer Löw bis auf die Hüfte zeiget, in der linkhen Brankhen aber eine Fußfahnen als die obbeschriebene unterschieden, in welcher ein einfacher gegen der rechten Handt gewendter Adler stehet, mit vor sich gestreckten beeden Krählen, aufgethanen Flügeln, offenen Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge, und mit einer Königlichen guldinen Cron geziehret.

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Saalbuch 59, Fol. 685 – 695
Saalbuch 79, Fol. 269 - 278
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Beitrag von Gerd » 21.05.2022, 14:54

Duchek von Taborsberg

Bartholomäus Wilhelm Duchek wurde mit Prädikat "von Taborsberg" und Wappen am 12.7.1686 durch Johann Joachim Graf Slawata von Chlum und Koschumberg in den Adelsstand erhoben.

Aus der Lebensgeschichte des Empfängers wissen wir, dass er aus Tabor stammte, 1649 ein Bachelorstudium und 1651 ein Magisterstudium an der Karl-Ferdinand-Universität in Prag absolvierte. Er erwarb sich auch große Verdienste bei der Verteidigung Prags gegen die Schweden 1648, was zum Teil das Thema des Wappens erklärt. Sein Enkel Johann Leopold Hedl wurde am 14. Mai 1735 durch Kaiser Karl VI. mit dem Prädikat „von Trauenfels“ in den böhmischen Adelsstand erhoben und schon am 4. Januar 1772 erfolgte die Übertragung des Adels mit Prädikat und Wappen an Johann Andreas Mercker (siehe dazu SB 221, Folio 373 – 378 und AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 596.9).

Blason des Wappens:

geviert in Silber und Rot, 1) eine gefugte 3-zinnige Mauer über die zwei brennende Granaten fliegen, eine über der Mauer, die andere schrägrechts unter ihr, 2) und 3) aus dem Schildrand kommend ein gerüsteter Arm mit goldbegrifften Schwert, 4) ein schroffer Felsen, auf dem Bügelhelm mit rot-goldenen Decken und Wulst ein blauer Flügel bestreut mit 7 goldenen Herzen

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Heraldická ročenka na rok 1978, Další slavatovská palatinátní listina, l. 51-53, Tomáš Krejčík
Saalbuch 163, Fol. 495 - 499v
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Beitrag von Gerd » 22.05.2022, 07:38

Kragetius von Grünenthal

Johannes Felix Kragetius wurde am 10. September 1653 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Grünenthal“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.

Er stammte aus dem westböhmischen Nepomuk und besuchte vermutlich ab 1639 die Philosophische Fakultät in Prag und geriet hier in die Belagerung Prags durch den schwedischen Feldherr Banér. Er trat der damaligen Studentenlegion bei und setzte nach dem Ende der Kämpfe sein Studium fort. Im Mai 1641 wurde er Bachelor und im August 1642 Magister der Philosophie. Bereits als Medizinstudent trat er 1648 wieder der Studentenlegion bei und promovierte vier Jahre später zum Doktor der Medizin. Offenbar diente er vor seiner Promotion zwei Jahre lang als Feldarzt in der Kaiserlichen Armee in Schlesien.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Nemblich einen ablanglichten blau- oder lasurfarben Schild, in dessen Grund erscheinet ein grüner dreyhüglichter Berg, der mittere etwas mehrers erhoben, auf welchem ein gelb- oder goldfarben sechsspitziger Stern stehet, drunter aber ein auf den Bauch liegender zur rechten gewendeter weiß- oder silberfarber lew, mit über den Rucken geschwungenen doppelten Schweif, offenen Rachen, rot ausgeschlagener Zungen, in seiner linken Branken einen eisernen Schiffanker, dessen Hacken fürwärts, in den rechten aber einen brinnende Fakel aufredchts haltendt, ob diesen Schild stehet einfreyer offener adelicher Turnierhelm, zur Rechten mit blau- oder lasur-, und weiß- oder silberfarben, zur linken aber schwarz- od kohl- und weiß- oder silberfarben Helmdecken, und einer Königlichen guldenen Kron geziehrt, auf welcher ein weiß- oder silberfarber halber fürwerts sehender grimmiger Lew mit offenen Rachen, rot ausgeschlagener Zungen, in der linken einen eisernen Anker, fürwerts, in der rechten Branken aber eine brinnende Fackel aufrechts haltendt, und über des Löwen Rucken ein schwarzer ausgeschwungene Adlersflügel, ihre Sachsen einwärts kehrend zu sehen ist.

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Saalbuch 65, Fol. 71v - 77v
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Beitrag von Gerd » 22.05.2022, 15:15

Bei den folgenden beiden Verleihungen haben die Wappen, obwohl lediglich Adels- bzw. Vladykenstand, Schildhalter. Aufgrund des gleichen Prädikates und der ähnlichen Wappen kann man vermuten das beide miteinander verwandt waren.

Krasny von Löwenfeldt

Daniel Christoph Krasny wurde am 3. August 1649 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Löwenfeldt“ in den böhmischen Vladykenstand erhoben.

Er studierte an der Prager Universität die er im Jahr 1641 abschloss. Später wirkte er als Pädagoge in mehreren führenden Adelshäusern, bereiste die deutschen Länder, Italien und Frankreich und promovierte nach seiner Rückkehr nach Böhmen in Rechtswissenschaften. Während der schwedischen Invasion in der Prager Kleinseite, wo er lebte, verließ er seine Wohnung unter Zurücklassung seines gesamten Besitzes und begab sich unter großer Gefahr zur Prager Altstadt. Dort schloss er sich der Studentenlegion an und blieb in ihren Reihen bis der Feind abgezogen war.

Blason des Wappens wie eingetragen aus dem Tschechischen übersetzt:

Der Schild ist von oben rot- oder rubinfarben, von unten ein guter Teil einer Stadtmauer mit geschlossenem Zinnenkranz, daneben auf beiden Seiten ein Löwe weiß- oder silberfarben, jeweils mit einer goldener Krone, einander zugewandt auf den Hinterbeinen stehend und den selben Schild zusammen mit dem selben Teil der Stadtmauer haltend, von welcher Mauer genau in der Mitte ein Mann in Rüstung mit einem grünen Lorbeerkranz auf dem Kopf zu sehen ist, der in der linken Hand eine Pavese, mit einem goldenen Stern, und in der rechten ein blankes Schwert nach rechts gestreckt hochhält. Über dem Schild ist ein ritterlicher Stechhelm und um ihn herum flatternde Decken, auf der linken Seite rot- oder rubin- und weiß- oder silber- und auf der rechten Seite gelb- oder gold- und schwarz- oder kohlenfarben auf beiden Seiten herab hängend. Darüber eine goldene Königskrone, über der ein schwarzer, geflügelter, golden gekrönter, zur rechten Seite blickender und im Schnabel einen Palmzweig haltender Adler zu sehen ist.

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Saalbuch 32b, Fol. 909 - 913

Krassny von Löwenfeldt

Wenzl und Johann Krassny, Brüder, wurde am 27. Juli 1649 durch Kaiser Ferdinand III. mit dem Prädikat „von Löwenfeldt“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.

Wenzl Krassny stammte aus einer Pilsener Familie. Er studierte Philosophie an der Universität Prag, schloss im Mai 1648 mit dem Bachelor ab und wurde später Jurastudent. Nach der Besetzung der Prager Kleinseite durch schwedische Truppen 1648 trat er der Studentenlegion bei und kämpfte in der ersten Kompanie des Corporal Prusskowsky. Er war einer der tapfersten Kämpfer der Legion, zeichnete sich auf der Prager Brücke aus, in den Kämpfen um den Durchbruch bei der Neustädter Mauer geriet er durch schweres feindliches Feuer in Gefahr und am Bergtor half er das feindliche Bollwerk in Brand zu setzen. Beim schwedischen Hauptangriff am 25. Oktober 1648 wurde er von einer einstürzenden Mauer verwundet.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Nemblichen einen rothen Schildt auf deßen Grund eine weiße Ring-Mauer mit quarter stücken, und drey Zinnen, auf dessen Mitten ein Buch mit einen schwarzen Bundt, auf welchen ein gegen der rechten Handt gewendter gewafneter Armb, in der Faust ein zweyschneidiges Schwerdt mit vergoldeten Knopf, und Creütz haltend zu sehen. Auf dem Schildt stehet ein freyer offener adelicher Turniers-Helmb mit einer Königlichen Kron : so von zweyen, gelben gekrönten, auf beeden Seiten stehenden Löwen, wie auch der Helmb mit fordere Brankhen gehalten wirdt : und auf der Helmb beeden Seiten mit gelb- oder goldfarben, und blau- oder lasurfarben Helmbdecken geziehret, auf solcher Kron stehet ein einfacher, gegen der rechten Handt gewendter schwarzer Adler mit ausgeschwungenen Flügeln, aufgethanen Schnabel, rot ausgeschlagener Zunge, und einer königlichen guldenen Kron geziehret.

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Saalbuch 59, Fol. 705 - 715
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Beitrag von Gerd » 02.06.2022, 13:12

Krauß von Krausenfels

Johann Krauß wurde am 18. Oktober 1662 durch Kaiser Leopold I. mit dem Prädikat „von Krausenfels“ in den böhmischen Adelsstand erhoben.

Johann Krauß stammte aus Prag wo er auch studierte. Nach dem schwedischen Einmarsch auf der Prager Kleinseite 1648 wurde er Mitglied der Studentenlegion. Er kämpfte in den Reihen der sechsten Kompanie und bewies Tapferkeit vor allem auf der Brücke, wo er beim Versuch die schwedischen Befestigungen in Brand zu setzen am Oberschenkel verletzt wurde. Nach Abschluss des Jurastudiums trat er in den öffentlichen Dienst ein und wurde Beamter in der Expedition des Mährischen Landgerichts.

Blason des Wappens wie eingetragen:

Nemblich einen Quartierten Schildt, dessen hinter untere, undt forder obere Veldung gantz rubin- oder rothfarb, undt darin ein beederseits ain geharnischter gebogener Rechter Mans Armb, in dem faust ein blosses mit der Spize zue rückh gewehntes, und zuemb Streich geschikhtes Schwerdt mit ainem vergulten Creitz, und Kopf haltend, zue sehen ist. In der hinter Obere, und vorde untere Veldung aber, welche beede blau- oder Lasurfarb erscheinet im grundt ainer Jedtwedern derselben ain schroffigter Felßen, und darob ain brinende Granath oder feuer Kugl. Ob disem Schildt stehet ein freier offener adelicher Thurniershelmb, zuer hintere mit roth- oder rubin- und weiß oder silberfarben Helmdekhen, zuer fordere Seiten aber schwarz- oder khol- und gelb- oder goldtfarben Helm dekhen und ainer guldenen Cron geziehret. Auf welcher zwischen zwaien gegen einander aufgethanen Adlersflügl, deren Jede nach der Zwerch in zwai gleiche theil endtschiden und der hindere unteres ist gelb, das obere schwarz, das untere theil ober dem fordern weiß und das obere roth, darinen widerumben, wie darunter ein Schildt, ain geharnischter gebogener Rechten Mannß Armb in der faust ein blosses mit der spize zueruckh gewehntes und zum streich geschickhtes schwerdt, mit Ainen Vergulten Creitz undt Knopf haltend, zue sehen ist.

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Saalbuch 74, Fol. 129 - 136
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