Kürsch

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AndreasWurm
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Kürsch

Beitragvon AndreasWurm » 01.09.2005, 12:50

Hallo liebe Forumsmitglieder/innen,

Feh, bezeichnet doch das Rückenfell des sibirischen Eichhörnchens. Hermelin ist mir auch klar. Der Kürschner bearbeitet doch Pelze.
Ist Kürsch dann einfach die Bezeichnung für Pelz?
Mir kommt es so vor, als würden in der heutigen Zeit, die Pelzwerke nicht mehr so häufig verwendet, wie früher. Hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass die Gestaltungsmöglichkeiten mit Pelzen auch nicht so groß ist. (Es gibt doch sicher schon viele Schilder mit z.B. Wolkenfeh)
Wann bauen sie als Heraldiker denn Pelze in ein Wappen ein? Auch im Wappenindex ist fast kein Pelzwerk zu finden.
Mir geht es einfach darum, ein bisschen mehr über über die Verwendung der Pelzwerke herauszufinden. In vielen Abhandlungen über die Heraldik werden sie immer nur nebenbei aufgeführt.

Vielen Dank für ihre Hilfe mfg Andreas Wurm :D

PEER
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Beitragvon PEER » 01.09.2005, 14:21

Hallo Andreas,

Das "Feh" ist ein Pelzwerk von dem das Mittelalter umfangreichen gebrauch machte. Aus dem Rücken und dem Bauchfell des grauen Eichhörnchens zusammengesetzt, erscheint es unter zwei Hauptformen: der klassischen winkeligen Form und der Wellenform, die manschmal "Alt-Feh" gennant wird, obwohl sie kaum älter als die andere ist. Der Ausdruck Alt-Feh paßt besser zu einer viereckigen Form, die mann nach 1400 nicht mehr antrifft. Feh ist grundsätzlich silbern und blau. Ob die blauen Felder aufrecht stehen oder gestürtzt sind ist ohne bedeutung. Wenn das Feh aus anderen Farben besteht, sagt man aus der und der Farbe "gefeht". Eine abweichende Anordnung der Pelzwerkstücke, wobei die abwechselnden Streifen umgedreht sind, ergibt "Gegenfeh". Eine seitliche verschiebung dieser abwechselnden streifen ergibt "gewellt-gefeht", das so selten ist, daß es mehr die Erfindung eines Theoretikers als eine realität sein dürfte. Schließlich sagt man "Pfahlfeh" wenn die Pelzstücke der gleichen Farbe genau untereinanderstehen. Im allgemeinen ordnet man die Pelzstücke in fünf oder sechs Streifen an. Bei sehr großen Anzahl der Streifen oder wenn die Pelzstücke sehr schmal sind, spricht man von "Kleinfeh". Sind es aber weniger als drei, ist es kein Feh mehr, sondern "Großfeh", wozu es auf französisch einen seltsamen Namen "beffroi" d.h. eigentlich Wachtturm gibt.
Bei einer Quadrierung, Schrägteilung oder einem Schildhaupt aus Feh oder Hermelin werden diese Pelzwerke dargestellt, als ob sie aus einem ganz mit Pelzwerk überzogenen Schild ausgeschnitten wären; die Balken, die Pfähle und im allgemeinen auch die Kreuze werden in gleicher Weise
behandelt, aber bei Schrägbalken, Sparren, Schrägkreuzen, Schräggittern und Ständerungen werden die Pelzstücke oder die Hermelinschwänzchen in der Richtung der Heroldstücke angeordnet.
Auf Schildrändern sind die Pelzstücke meistens parallel zum Schildrand herumlaufend ausgerichtet. Man schpricht dan auch von einem "Wolkenschildrand". Es kommt vor, daß die Fehstreifen "sparrenweise" oder "sturzsparrenweise" angeordnet sind
Bei dem sehr seltenen Naturfeh (Kürsch) wird Naturtreue angestrebt.
In der westeuropäischen Heraldik gibt es noch weitere zweifarbige Musterungen, die aber auf Stoffe zurückgehen dürften.

Gruß
PEER :shock:

Martin Knoch

Beitragvon Martin Knoch » 01.09.2005, 14:41

Hallo Herr Peer

ein schönes Beispiel für Pfahlfeh allerding in der Form des Eisenhutfeh ist das Wappen der Familie von Amelunxen im Wappenindex.



Grüsse

Martin Knoch

http://www.familie-greve.de/modules.php ... &wid=84756

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AndreasWurm
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Sehr interessant...

Beitragvon AndreasWurm » 01.09.2005, 15:34

Hallo Peer,

vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Sie haben mir sehr geholfen. :D

Mit freundlichen Grüßen Andreas W.

Friedhard Pfeiffer
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Kürsch

Beitragvon Friedhard Pfeiffer » 01.09.2005, 15:44

Hallo,
im Siebmacher und der Deutschen Wappenrollen (DWR) gibt es 17 Wappen mit "Kürsch", 26 mit "Feh" und 5 mit "Wolkenfeh". Das bekannteste von allen ist das Wappen "Lorch" und auch "Oettingen".
Zudem gibt es 36 Wappen mit "Pelz" und 168 mit "Hermelin". Das bekannteste unter ihnen das Wappen der "Bretagne".
Mit freundlichen Grüßen
Friedhard Pfeiffer

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Magistri
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Feh

Beitragvon Magistri » 01.09.2005, 16:35

Das Feh entspricht der im Mittelalter üblichen Fütterung der Mäntel
hochgestellter Persönlichkeiten, die sich den Erwerb der Felle vieler sibirischer Eichhörnchen leisten konnten. Gewöhnlich wurden die blauen Rücken und weißen Bauchfelle so zusammengeschnitten, daß sie die Gestalt der Eisenhüte bekamen. Es gibt aber wie bereits beschrieben auch viele andere Formen neben dem Krückenfeh z.B. das Wolkenfeh und manche mehr.


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M.d Heraldischen Vereins "Zum Kleeblatt" in Hannover

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A.Lenz
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Beitragvon A.Lenz » 01.09.2005, 17:41

Hallo Andreas, :lol:

ein sehr schönes Beispiel findest du auch auf der Seite:

www.bregenz.at/index.php?id=975&type=5

Mit herzlichem Gruß

Alois

Padberg Evenboer
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Beitragvon Padberg Evenboer » 01.09.2005, 22:39

http://home.planet.nl/~padbe017/Padberg_Wappen_MA.htm

Hier ein paar Vorbilder des Wappen Padbergs.

MfG,
K. Padberg Evenboer


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